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47322.4
Die Automation, die den lernenden Fahrer ersetzt
22.4.1 Sicherheitsrelevante Systeme
Nach DIN 31000 gilt:
Sicherheit ist eine Sachlage, bei der das Risiko nicht größer als das Grenzrisiko ist. [20]
Inwieweit ein System im Automobil (oder auch generell) diese Sicherheit beeinflusst, kann
folgendermaßen eingeteilt werden ([16] erweitert):
1. Sicherheitsunkritisch
Fehler in diesem System führen zu keiner Gefährdung von Personen oder der Umwelt. Eine
fehlerhafte Spracherkennung, die oft mit Verfahren des Maschinellen Lernens umgesetzt
wird [21], ist beispielsweise sicherheitsunkritisch, wenn diese im Infotainment genutzt
wird. Deshalb sind solche Systeme bereits im Einsatz, obwohl zum Teil regelmäßig Fehler
auftreten, ohne dass die Sicherheit negativ beeinflusst wird.
2. Sicherheitsrelevant
Ein System wird als sicherheitsrelevant bezeichnet, wenn durch Fehler dieses Systems eine
Gefährdung von Personen oder der Umwelt eintreten kann.
c. System zur Entscheidungsunterstützung
Hier können die Vorschläge des Systems durch den Entscheider ausgeführt werden
oder eben nicht. Ein Anästhesist bekommt beispielsweise einen Vorschlag für die
Medikamentenvergabe, basierend auf Informationen über den Patienten, die Operation
und vergangene Erfahrungswerte. Ein Fehler des Systems würde den Patienten gefähr-
den, jedoch nur dann, wenn der Anästhesist dem Vorschlag folgt [22].
d. System zur Überwachung und Diagnose
Ein Fehler des Systems führt zum Ausbleiben einer Warnung und kann, wenn der
Fehler nicht anderweitig erkannt wird, zu einer Gefahr für Personen und Umwelt
werden. Versagt das Diagnosesystem einer Industriemaschine beim Auftreten fehler-
haften Verhaltens, so kann ein Ausfall dieser Diagnose zu einer Gefahr werden [23].
3. Sicherheitskritisch
Systeme, die bei einem Fehler direkt zu einer Gefährdung von Personen oder der Umwelt
führen, werden als sicherheitskritisch bezeichnet.
a. Automation überwacht/korrigierbar
Wird eine Aktion ohne zusätzliche Bestätigung automatisiert ausgeführt, so führt der
Fehler eines automatisierten Systems direkt zu einer Gefährdung von Personen und
Umwelt. Wird das System zusätzlich durch einen Menschen überwacht und ist die
Möglichkeit zur Korrektur gewährleistet, kann die Gefahr abgewandt werden. Der/die
Überwacher/in bringt das System wieder unter Kontrolle, sodass Fehlertoleranz durch
den Menschen hergestellt wird. Dabei ist zu beachten, dass besonders mit zunehmen-
der Automatisierung der Prozesse und erweiterter Entlastung des Menschen dessen
Fähigkeiten abnehmen, einen automatisierten Prozess zu überwachen [24]. Der so-
genannte Stauassistent als Teilautomatisierung der Fahrzeugführung bildet ein solches
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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