Seite - (000493) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Bild der Seite - (000493) -
Text der Seite - (000493) -
47522.4
Die Automation, die den lernenden Fahrer ersetzt
ausforderung für den Einsatz von Maschinellem Lernen im Forschungsbereich des auto-
matisierten Fahrens besteht im Zugang zu repräsentativen Daten für den späteren Einsatz-
bereich. Folglich stellt sich die Frage nach der Übertragbarkeit der Forschungsergebnisse
auf die Systemlebenszyklen Entwicklung und Betrieb.
22.4.2.2 Entwicklung
Das Lernen während der Entwicklungsphase kann mit dem Offline-Lernen verglichen
werden. Möglichst anwendungsrelevante Trainingsdaten werden gezielt gesammelt, um
während der Entwicklung beispielsweise ein Modell zu lernen. Die Erfüllung der Anforde-
rungen an die Sicherheit der Ergebnisse wird, wie bei allen anderen sicherheitsrelevanten
Komponenten des Fahrzeugs auch, verifiziert und validiert, sodass die Freigabe des Fahr-
zeugs für die Produktion und den Einsatz erteilt werden kann. Danach verändern sich das
gelernte Modell oder die Klassifizierung nicht weiter. Das Lernverfahren arbeitet nicht
online bzw. nicht adaptiv, nutzt somit weitere Daten, die im Betrieb erfahren werden, nicht
als Trainingsdaten, um das Modell oder die Klassifizierung zu aktualisieren. Es handelt sich
somit während des Einsatzes um ein zeitinvariantes System, wodurch die bekannten
Methoden für Verifikation und Validierung gültig bleiben. Allerdings ist zu beachten, dass
die Ergebnisse der verschiedenen maschinellen Lernverfahren unterschiedlich gut inter-
pretierbar sind. Beispielsweise sind gelernte Entscheidungsbäume mit begrenztem Umfang
oder ein überschaubarer Satz an gelernten Regeln sehr gut interpretierbar [25] und ermög-
lichen somit den Einsatz von White-Box-Testverfahren [26]. Andere Verfahren wie z. B.
die Random-Forest-Verfahren oder subsymbolische Neuronale Netzwerke hingegen sind
für einen Tester schwer interpretierbar und stellen somit eine Black-Box dar. Für solch
komplexe Komponenten bedeutet der Nachweis der Sicherheit eine größere Herausforde-
rung, verglichen mit analytischen Modellen. Da sich, wie auch für die meisten analytischen
Modelle, für Systeme mit hoher Eingangsdimensionalität das Brute-Force-Testen2 nicht
eignet [27], werden Otte [25] folgend und erweiternd vier Gegenmaßnahmen in Betracht
gezogen:
1. Herunterbrechen eines vieldimensionalen Problems auf niedrigdimensionale Teil-
modelle, damit die Teilmodelle von Experten unabhängig interpretiert und validiert
werden können,
2. Einsatz von Vergleichslösungen, die eine Bewertung der Sicherheit der gelernten
Komponente ermöglichen,
3. Begrenzen der Eingangs-, Ausgangs- und Zustandsgrößen auf bestimmte Werte-
bereiche, wie z. B. die der Trainingsdaten. Diese Begrenzungen können statisch sein,
aber auch von anderen Größen abhängen, und
4. Begrenzen der Dynamik von Eingangs-, Ausgangs- und Zustandsgrößen auf mini-
male, maximale, positive oder negative Änderung pro Zeit.
2 Der Brute-Force-Ansatz steht für das Ausprobieren (Testen) aller möglichen Kombinationen der
das Testobjektverhalten beeinflussenden Parameter.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung