Seite - (000502) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Bild der Seite - (000502) -
Text der Seite - (000502) -
Lernen autonome
Fahrzeuge?484
dabei einer Serie und einem Softwarestand angehören, folgen Anforderungen an die In-
tegrität der übertragenen Informationen, jedoch nicht an die Kompatibilität und Ver-
trauenswürdigkeit zwischen den Agenten. Sogenannte homogene Teams existieren, bei
denen untereinander bekannt ist, wie und was gelernt wird. Ist das Ziel jedoch, die Daten-
basis zu erweitern, auf der Lernverfahren angewandt werden, könnten auch Fahrzeuge
anderen Softwarestands oder sogar anderer Hersteller untereinander vernetzt werden. Es
entsteht ein Kollektiv aus heterogenen Fahrzeugen, bei denen eventuell unterschiedliche
Verfahren des Maschinellen Lernens eingesetzt werden und die Wissensrepräsentation
ebenfalls heterogen ist. Gifford [53] zeigt für Beispiele aus anderen Bereichen, wie prinzi-
piell mit solchen Kollektiven umgegangen werden könnte. Grundsätzlich existieren neben
den Fahrzeugrobotern noch weitere Agenten, wie beispielsweise Smartphones oder zukünf-
tig auch Serviceroboter, die ebenfalls Daten erzeugen und damit vollkommen andere
Informationsbereiche abdecken, als sie Fahrrobotern zugänglich sind. Die aktuell vorstell-
bare letzte Stufe der Konnektivität und mit Abstand die größte Datenbasis liefert das Inter-
net. Das autonome Fahrzeug als web-enabled device ermöglicht eine Vielzahl von An-
wendungen und Funktionen im positiven wie auch im negativen Sinne. Nicht zuletzt das
Watson-Projekt von IBM zeigt, dass Teile des im Internet abgelegten Wissens auch für
Maschinen verständlich sind. Informationen, die von einer beliebigen Instanz über das
Internet zugänglich gemacht werden, müssten somit nicht erst erfahren werden, um das
Verhalten des autonomen Fahrzeugs zu beeinflussen. Durch den Zugriff auf beliebige (nicht
autorisierte bzw. anonyme) Quellen droht jedoch eine Herausforderung für die Sicherheit
sowohl im Sinne der Verkehrssicherheit (safety) als auch der Datensicherheit (security,
s. Kap. 24).
22.6 Fazit
Das Maschinelle Lernen findet in der Forschung aktuell großes Interesse, da die Qualität
und Quantität vorhandener Daten stetig zunimmt und zusätzlich die Fahrzeugautomatisie-
rung Fragen aufwirft, die nur bedingt mit herkömmlichen analytischen Ansätzen gelöst
werden können. Bei der Übertragung der Ergebnisse von der Forschung auf die Entwick-
lung der Serienfunktionen für die autonome Fahrzeugführung stellt jedoch vor allem der
Nachweis der Sicherheit für den Einsatz im nicht überwachten sicherheitskritischen System
ohne Korrekturmöglichkeit eine Herausforderung dar. Deshalb finden sich bereits in aktu-
ellen Serienfahrzeugen nach Wissensstand der Autoren nur gelernte Modelle, die sich nach
dem Test und der Freigabe nicht mehr ändern. Systeme wie die Adaptive Transmission
Control sind bei dieser Betrachtung aufgrund der geringen adaptiven Parameter in klar
begrenzten Wertebereichen ausgeschlossen. Allerdings öffnet gerade das Lernen im Betrieb
und somit die Adaption einen weiteren Freiheitsgrad für die Automation. Diesen Freiheits-
grad zu nutzen, motiviert neben der Kompensation des Wegfalls der Anpassungs- und
Lernfähigkeit des Menschen sowie der Individualisierung der Fahrzeugführung zusätzlich
die Möglichkeit, die autonome Fahrt zu optimieren. Das Kapitel zeigt auf, dass bei der
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung