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49923.3
Sicherheitskonzepte aus anderen Disziplinen
etc. gefährden [1], [10], [18]. Automatisierte Manipulatoren, die entweder stationär oder
auf mobilen Plattformen eingesetzt werden, können Menschen gefährden, indem sie ihre
Gelenke bewegen und mit den Menschen kollidieren oder durch die Werkzeuge, die sie
einsetzen, verletzen. Sowohl für mobile Roboter als auch für Manipulatoren ist der sichere
Zustand ein Stopp aller Manipulatoren in der aktuellen Position bzw. ein Anhalten [5]. In
den meisten Fällen gilt: Je schneller dies geschieht, umso niedriger ist die Gefährdung, die
von dem Roboter für seine Umwelt ausgeht. Ausnahmen sind Werkzeuge und Manipulato-
ren, wie z. B. Hände und Greifer, die einen Druck ausüben können. Ein Stopp der Aktoren
könnte hier einen Druck erhalten, der zu Verletzungen und Beschädigungen führen kann.
Wird ein Roboter für komplexere Tätigkeiten eingesetzt, so können daraus Verletzungen
und Schäden entstehen, die zwar nicht direkt durch die Bewegung des Roboters verursacht
werden, aber durch die Folgen seiner Aktionen. Beispielweise kann es zu Bränden kommen,
wenn ein Bügelroboter abrupt stehen bleibt oder Gefahrgut von einem mobilen Roboter
transportiert wird [64].
In [64] und [65] wird eine sicherheitsgetriebene Architektur für Steuerungssysteme
von Robotern vorgestellt, die eine Sicherheitsschicht enthält. Diese soll einen Roboter
stets in einen sicheren Zustand überführen. Die sicheren Zustände sind abhängig von den
Funk tionen, die ein Roboter erfüllen soll. Diese können sehr vielfältig sein, und daher
wird in [64] und [65] ein Regelsatz (safety policies) vorgeschlagen, der übergeordnete
Regeln enthält, die einen sicheren Betrieb eines Roboters ermöglichen. Es ist vorstellbar,
dass ein Roboter unerwartete Lösungswege für ein Problem abhängig von seiner Ent-
scheidungsfreiheit und seinen grundlegenden Fähigkeiten findet und es dadurch zu ge-
fährlichen Situationen kommen kann. Wie in [9] beschrieben, kann dies bei der häufig
angewen deten Subsumptionsarchitektur erfolgen. Übertragen auf autonome Fahrzeuge
bedeutet dies, dass zwar Fahrentscheidungen nach verschiedenen Kriterien wie z. B. der
Straßenverkehrs ordnung, effizienter Fahrweise und Komfort getroffen werden können,
aber stets eine Kollisionsvermeidung aktiv wäre, die als übergeordnete Instanz eingreifen
könnte.
23.3.4 Kraftwerkstechnik
Kernkraftwerke gelten weithin als besonderes Risiko, da bei Störfällen hohe Schäden
für die Umwelt entstehen können. Die dort eingesetzten Steuer- und Regelungssysteme
müssen daher die höchsten Sicherheitsanforderungen erfüllen, um einen Betrieb auch
nach Naturkatastrophen, terroristischen Anschlägen und internen technischen Fehlern
zu ermöglichen. Da bei Kernkraftwerken eine sofortige Abschaltung nicht möglich ist
und die Brennelemente auch nach ihrem Einsatz im Reaktor weiterhin aktiv sind und
gekühlt werden müssen, sind mehrfach redundante Systeme vor allem zur Kühlung vor-
geschrieben.
Die Sicherheit eines Kernkraftwerks hängt maßgeblich davon ab, wie vollständig und
fehlerfrei die Steuerungs- und Kontrollsysteme spezifiziert und entwickelt werden. Die
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung