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Sicherheitskonzept für autonome
Fahrzeuge502
In folgenden Situationen ist das Fahrzeug in einem sicheren Betriebszustand:
1. Das Fahrzeug steht still: Der Standort des liegen gebliebenen Fahrzeugs ist relevant,
da das Fahrzeug ein gefährliches Hindernis für andere Fahrzeuge sein kann und Ret-
tungsfahrzeuge und Rettungswege blockieren könnte. Die Absicherung des liegenge-
bliebenen Fahrzeugs ist erschwert, da kein Mensch an Bord ist, der dies übernehmen
kann. Nur die am Fahrzeug angebrachte Beleuchtung erscheint zur Absicherung nutz-
bar. In vielen Ländern gibt es spezielle Vorschriften zur Absicherung eines liegen ge-
bliebenen Fahrzeugs, beispielweise durch ein Warndreieck, das einige Meter hinter
dem Fahrzeug aufgestellt werden muss. Es ist schwer vorstellbar, dass dies von einem
autonomen Fahrzeug selbstständig erledigt wird. Daraus folgt, dass eine oder mehrere
Personen dafür verantwortlich sind. Das Fahrzeug muss also entweder ständig über-
wacht werden oder von sich aus Hilfe anfordern, falls es zum Anhalten gezwungen ist.
2. Das Fahrzeug fährt auf einem Fahrstreifen, wie in Use-Case 1 beschrieben. Es ist je-
doch nicht möglich, an einen Verfügbarkeitsfahrer zu übergeben, da keiner an Bord
ist. Eine Möglichkeit besteht, dass das Fahrzeug anhält und so einen sicheren Zustand
erreicht. Es ist auch vorstellbar, dass im Fehlerfall während der Fahrt an einen Tele-
operator übergeben wird, der das Fahrzeug ferngesteuert an einen sicheren Standort
fahren kann.
3. Das Fahrzeug durchfährt eine Kreuzung oder einen Kreisverkehr, oder es biegt ab.
Beherrscht das Fahrzeug die Situation und die aktuell geltenden Vorfahrtregeln, so
sind diese Manöver sicher. Erreicht das Fahrzeug dabei seine Systemgrenzen, so kann
es mit reduzierter Geschwindigkeit und Signalisierung für die anderen Verkehrsteil-
nehmer weiterfahren.
4. Das Fahrzeug befindet sich auf einem Parkplatz. Durch die geringen Relativgeschwin-
digkeiten und den verhältnismäßig geringen Verkehrsfluss sind die Anforderungen
hier niedriger und das Betriebsrisiko ist geringer.
Die wesentliche Herausforderung ist der fehlende Verfügbarkeitsfahrer. Bei Ereignissen,
die das Risiko erhöhen, kann nicht an den Verfügbarkeitsfahrer übergeben werden, und der
Stillstand birgt in vielen Situationen ein hohes Risiko, da das Fahrzeug nicht sofort manu-
ell bewegt werden kann. Eine Lösung könnte das teleoperierte Fahren sein, bei dem eine
Kommunikationsverbindung zum Fahrzeug besteht, die zur Meldung eines Problems des
Fahrzeugs und zur Fernsteuerung des Fahrzeugs genutzt wird. Ist ein Anhalten erforderlich,
so muss dies den anderen Verkehrsteilnehmern entsprechend signalisiert werden. Eine
Absicherung des Fahrzeugs durch den Verfügbarkeitsfahrer ist hier nicht möglich.
Das Blockieren von Rettungsfahrzeugen und Rettungswegen auf einstreifigen Straßen
und bei Zufahrten für Rettungsfahrzeuge vor Gebäuden und anderen Einrichtungen, wie
z. B. öffentliche Plätze, stellt einen Sonderfall dar. Das Blockieren kann dazu führen, dass
Rettungsaktionen verzögert und erschwert werden. Dies ist einerseits gesetzlich verboten,
andererseits ein wesentlicher ethischer Aspekt. Untersuchungen, die die Häufigkeit solcher
Situationen belegen, sind dem Autor nicht bekannt. Daher kann hier keine Aussage getrof-
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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