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Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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50723.8 Dilemma-Situationen Die gesammelten Messwerte müssen für eine Vorhersage der Entwicklung der Situation überwacht und gespeichert werden. Anhand von umfangreichen Datenanalysen könnten sich anbahnende Fehler erkannt werden. Bereits eine Erkennung von Schwierigkeiten einige Zehntelsekunden vor einem Ereignis kann zu einer sichereren Reaktion führen. Ein notwendiges Bremsmanöver, das beispielweise 0,3 Sekunden eher erkannt und ausgelöst wird, kann den Anhalteweg bei einer Fahrt mit 50 km/h um 4,2 Meter verkürzen. Weiteres Potenzial zur Erhöhung der Sicherheit liefern Kommunikationsmöglichkeiten mit der Infrastruktur und weiteren Fahrzeugen. Je eher Informationen über Gefahren vorliegen, umso eher kann auf diese reagiert werden, beispielweise bei Straßenschäden, Verschmutzung und Glätte, bei vorausliegenden Stauenden oder bei Notbremsmanövern von vorausfahrenden Fahrzeugen. 23.8 Dilemma-Situationen In manchen Fällen kann eine Verkettung von Ereignissen zu einer Situation führen, die nicht ohne Personenschaden lösbar ist. Ein automatisiertes Fahrzeug muss in diesen Dilem- ma-Situationen innerhalb kürzester Zeit eine mögliche Handlungsoption auswählen, die zwar zu einem Personenschaden führt, jedoch den minimalen Schaden hervorruft. Mögli- che Sachschäden und Verstöße gegen geltende Gesetze sind dabei ebenfalls denkbar, haben aber eine geringere Priorität. Die Anzahl der eigenen Passagiere und die Art und Dynamik der anderen Verkehrsteilnehmer müssen unter möglichen Unsicherheiten berücksichtigt werden. Die Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern ist hier besonders wichtig und kann helfen, solche Situationen mit dem minimalen Personenschaden zu lösen.2 Eine detaillierte ethische Diskussion zu Dilemma-Situationen findet sich in Kap. 4 dieses Buches. Im Folgenden werden daher nur technische Aspekte betrachtet. Abbildung 23.1 zeigt zwei Situationen. Die erste ist kollisionsfrei lösbar. Die zweite kann zu einem Dilemma führen. Zu Beginn der ersten Situation fährt das Fahrzeug auf einem Fahrstreifen, und am Straßenrand sind weitere Fahrzeuge geparkt. Zwischen diesen tritt unerwartet und schwer zu erkennen eine Person auf den Fahrstreifen. Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, wie das Fahrzeug reagieren kann, um eine Kollision mit dem Fußgänger zu vermeiden. In Option 1 kann das Fahrzeug bremsen und vor dem Fußgänger anhalten. In Option 2 kann das Fahrzeug auf den Nachbar-Fahrstreifen ausweichen und eine Kollision verhindern. Dabei ist ein Überfahren der durchgehenden Linie zwischen den Fahrstreifen erforderlich. Dies ist ein Verstoß gegen die StVO. In der zweiten Situation fährt ein entgegenkommendes Fahrzeug auf dem zweiten Fahrstreifen. Nimmt man an, dass ein Bremsmanöver nicht mehr zu einer Verhinderung der Kollision mit dem Fußgänger führt, befindet sich das autonome Fahrzeug in einem Dilemma: 2 Das DFG-Schwerpunktprogramm „Kooperativ interagierende Fahrzeuge“ wird dieses Thema in den nächsten Jahren ebenfalls untersuchen.
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Autonomes Fahren Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung
Titel
Autonomes Fahren
Untertitel
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Autoren
Markus Maurer
Christian Gerdes
Barbara Lenz
Hermann Winner
Verlag
Springer Open
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
78-3-662-45854-9
Abmessungen
16.8 x 24.0 cm
Seiten
756
Kategorie
Technik
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