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Erhebung und Nutzbarmachung zusätzlicher Daten – Möglichkeiten und
Risiken536
24.7 Fazit
Man könnte annehmen, dass ein höheres Maß an Autonomie beim Fahren zu mehr Daten-
verarbeitung und dadurch auch zu mehr Überwachung führen würde. Tatsächlich ist dies
aber nicht notwendigerweise der Fall. Die hauptsächlichen Faktoren, die zur Erfassung und
Verbreitung zusätzlicher Daten beim autonomen Fahren führen, sind:
1. Die Interaktion zwischen Fahrzeug und Fahrer(n), Passagier(en) und gegebenenfalls
Eigentümer(n) wird intensiver, was zur Speicherung und Verarbeitung zusätzlicher
Daten führt.
2. Die Interaktion des Fahrzeugs mit anderen Entitäten, insbesondere Verkehrszentralen,
wird intensiver, was zu zusätzlichen Übermittlungen potenziell sensitiver Daten aus
dem Fahrzeug heraus führt.
Ein autonom fahrendes Fahrzeug, das so autonom fährt, dass es nicht mit dem Fahrer zu
interagieren braucht, muss nicht mehr Daten von einem Fahrer erfassen als ein herkömm-
liches Auto. Auch wenn das Fahrzeug in der Lage ist, autonom durch den Verkehr zu navi-
gieren, würde es nicht mehr Daten kommunizieren als irgendein anderes Auto. Gegebenen-
falls würde es sogar weniger Daten kommunizieren als ein herkömmliches Auto, das ein
zentralisiertes Navigationssystem einsetzt und unter Überwachung steht, beispielsweise
durch ein System, das fortwährend die Geokoordinaten des Fahrzeugs sammelt.
Natürlich können einige der realitätsnahen Zwischenszenarien, wie z. B. der Kontroll-
übergang an den Fahrer in kritischen Situationen (s. z. B. Use-Case 1) in Kombination mit
einer zentralisierten Überwachung in solchen kritischen Situationen zu mehr Überwachung
und dann auch zu mehr Datenschutzproblemen führen. Während also autonomes Fahren
theoretisch nicht zu mehr Datenschutzproblemen führen muss, gibt es eine realistische
Bedrohung, dass in der Praxis genau das passiert, wenn Entwurf und Architektur der
Systeme Datenschutzprobleme nicht sorgfältig verhindern.
Daher ist ein Privacy-by-Design-Ansatz für autonomes Fahren und die einschlägigen
Szenarien nötig. Zumindest die folgenden Fragen müssen gründlich geprüft werden:
Ist die Erfassung, Verarbeitung und Übermittlung von Daten wirklich notwendig, um
eine tatsächliche Verbesserung der Fahrsituation zu erreichen?
Ist dieser Vorteil die zusätzlichen Datenschutzrisiken wert?
Können die PII-Stakeholder (häufig Fahrer, Fahrgäste, Eigentümer) ertüchtigt werden,
in einem möglichen Dilemma zwischen mehr Funktionalität oder mehr Verkehrssi-
cherheit auf der einen Seite und weniger Privatsphäre auf der anderen Seite informiert
und selbstständig zu entscheiden?
Bleiben die Daten unter Kontrolle der PII-Stakeholder, oder verlassen sie deren
Einflussbereich?
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung