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62328.4
Erhöhung der Produktsicherheit automatisierter Fahrzeuge
in welchen Situationen die Automatisierung verwendet werden könnte, wofür sie
jedoch nicht ausgelegt ist (Falschinterpretation und potenzieller Fehlgebrauch)
wann Leistungsgrenzen für erforderliche Redundanzen erreicht sind
ob gefährliche Situationen durch Fehlfunktionen der Automatisierung verursacht
werden (Versagen)
Die gemeinsame Erarbeitung einer maximalen Anzahl an systemrelevanten Situationen
macht es wahrscheinlich, dass keine relevante Gefahr ausgelassen oder vergessen wurde.
Im nächsten Schritt empfiehlt sich eine Zusammenfassung von Gefahren mit direktem
Einfluss auf die Sicherheit. Nach einer Reduktion auf tatsächliche sicherheitsrelevante
Situationen werden hierfür technische Lösungen entwickelt.
28.4.4 Methoden zur Risikobewertung während der Entwicklung
In einer Veröffentlichung der Bundesregierung wird im Zusammenhang mit dem Ausstieg
aus der Atomenergie erwähnt, dass die deutsche Gesellschaft als „Schicksals
gemeinschaft“
und als Teil der „Weltrisikogesellschaft“ den Fortschritt und Wohlstand bei gleichzeitig
beherrschbaren Risiken wünscht [24]. Dies ist sicherlich nur eingeschränkt auf den
Straßenverkehr übertragbar, denn die Risiken durch automatisierte Fahrzeuge beschränken
sich – im Gegensatz zur Atomenergie – auf einen überschaubaren Personenkreis. Ähnlich
sind jedoch spezifische Anforderungen an die verwendeten Methoden zur Analyse und
Bewertung der Risiken. Im Folgenden werden fünf gängige Methoden vorgestellt.
28.4.4.1 Gefahrenanalyse und Risikobewertung
Der ADAS Code of Practice zur Entwicklung aktiver Längs- und Querführungsfunktionen
[5, 6] sowie die ISO 26262 Teil 3 zur Funktionssicherheit [22] beschreiben das Vorgehen
zur Gefahrenanalyse und Risikobewertung (G&R). Auch Teile der in den folgenden
Abschnitten genannten Methoden (HAZOP, FMEA, FTA, HIL) verweisen auf die G&R.
Ziel der G&R ist es, potenzielle Gefahren einer Be
trachtungseinheit zu identi
fizieren,
einzustufen und Ziele zu definieren. So lassen sich Gefahren vermeiden und die Risiken
auf ein gesellschaftlich und individuell akzeptiertes Maß minimieren. Dazu wird eine
„
Betrachtungseinheit“ bezüglich ihres Einflusses auf die Sicherheit beurteilt und einem
Automotive Safety Integrity Level (ASIL) zuge
ordnet. Eine „Betrachtungseinheit“ (Item)
nach ISO 26262 ist definiert als komplexes elektrisches/elektronisches System oder als
Funk tion, die mechanische Komponenten verschiedener Technologien enthalten kann. Der
ASIL wird bestimmt durch eine systematische Aus
wertung von möglicherweise gefähr-
lichen Situationen und Betriebsbedingungen. Dabei erfolgt eine Bewertung der Unfall-
schwere [25] im Zusammenhang mit der Auftritts
wahrscheinlichkeit. Eine Reduktion auf
eine angenommene Hardwareausfall-Fehlerrate (z. B. ASIL D: < 10-8 h-1) für gesellschaft-
lich und individuell akzeptierte Risiken (S. 624, Abb. 28.3) erfolgt durch externe Maß-
nahmen [22].
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung