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Gesellschaftliche und individuelle Akzeptanz des autonomen
Fahrens642
29.2.1 (Technik-)Akzeptanz: Konzepte, Forschung und Ausprägungen
Das Thema Technikakzeptanz ist ein recht inhomogenes Feld; verschiedene Wissenschafts-
disziplinen (z. B. Psychologie, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften etc.) nehmen wech-
selseitig aufeinander Bezug und bedienen sich gegenseitiger Anleihen. Insgesamt ist
Akzeptanzforschung noch ein relativ junges Forschungsfeld: Erst in den 1970er Jahren
kam mit einer breiteren öffentlichen Kritik an der Atomenergietechnik und einer daraus
abgeleiteten und, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, eher unzulässig postulierten
allgemeinen Technikfeindlichkeit der Deutschen (s. hierzu auch Kap. 30 zum Thema
Risiko) vermehrt die Frage nach Akzeptanz auf ([9], [10], S. 45 ff.).
Die Ziele von Akzeptanzforschung bestehen einerseits darin, das jeweilige Akzep-
tanzphänomen besser verstehen zu können (sozialwissenschaftlich-empirische Analysen);
andererseits soll es möglich werden, spezifische Akzeptanzobjekte, z. B. eine bestimmte
Technologie, derart zu entwickeln und zu gestalten, dass Akzeptanz eintritt (normativ-
ethische Ansätze). Auf wissenschaftlicher sowie politischer Ebene haben sich aus diesen
Bedarfen heraus neben unterschiedlichen Forschungsansätzen mittlerweile auch mehrere
Institutionen herausgebildet, die die Entwicklung von (neuen) Technologien und die dazu-
gehörigen Debatten begleiten ([10], S. 47 ff.). Allen diesen Institutionen liegt im Kern die
Annahme zugrunde, dass Technik nicht ohne ihre Einbettung in gesellschaftliche und
wirtschaftliche, aber auch nutzenbezogene Bereiche betrachtet werden kann, letztendlich
also ihre Einbettung in das sozio-technische System mitberücksichtigt werden muss
(vgl. z. B. [10], [11]).
29.2.1.1 Akzeptanzsubjekt, -objekt und -kontext
Akzeptanz entfaltet sich immer in einem Spannungsfeld von Subjekt, Objekt und Kontext
(vgl. [12], S. 88 ff.): „Anzugeben ist nicht nur, was, sondern was von wem innerhalb
welcher Gesellschaft, in welcher Situation und zu welchem Zeitpunkt sowie aus welchen
Gründen akzeptiert (oder eben abgelehnt) wird“ ([12], S. 90). Abbildung 29.1 zeigt die
Beziehung zwischen Subjekt, Objekt und Kontext der Akzeptanz.
Akzeptanzsubjekt
Ein Akzeptanzsubjekt verfügt über Einstellungen oder entwickelt Einstellungen in Bezug
auf den Gegenstand der Akzeptanz und verbindet sie gegebenenfalls auch mit entsprechen-
den Handlungen (vgl.[11], [12]). Der Begriff „Subjekt“ bezeichnet in diesem Zusammen-
Abb. 29.1 Akzeptanzsubjekt, -objekt
und -kontext (angelehnt an [12], S. 89)
Autonomes Fahren
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