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Gesellschaftliche und individuelle Akzeptanz des autonomen
Fahrens644
ihre spezifischen Nutzungsformen oder die damit verbundenen Herausforderungen und
Rahmenbedingungen im jeweils spezifischen Kontext können mit solchen Einstellungs-
messungen gleichwohl nicht erfasst werden ([10], S. 46). Einstellungen haben aber für die
Akzeptanzforschung deshalb Bedeutung, weil angenommen wird, dass diese als Absichten
und Bereitschaften zu konkreten Handlungen gelesen werden können ([12], S. 82 f.).
Das typische Messinstrument der Einstellungsdimension von Akzeptanz ist die
Meinungsumfrage – auch wenn solche Erhebungen „ … schnell zu einem vereinfachten
Bild eines Meinungsbildungsprozesses auf der Basis wahrgenommener Eigenschaften von
Technik …“ führen ([13], S. 35), denn sie implizieren, dass Technik Signale aussendet, die
wiederum bei der Bevölkerung bzw. Individuen bestimmte Reaktionen auslösen. Die ein-
dimensionale Erfassung von Einstellungen wurde allerdings im Laufe der letzten Jahre
mit erweiterten Erkenntnissen zur Technikakzeptanz abgelöst und um Analysen erweitert,
die insbesondere den Kontext solcher Einstellungen mit einbeziehen. Auf diese Weise
wurde der Fokus von Akzeptanzforschung von der „deskriptive(n) Bestandsaufnahme von
Einstellungen und Haltungen“ ([13], S. 36) hin zu einer eher analytisch ausgerichteten
Sichtweise verschoben. Damit wird der Komplexität von Wahrnehmung und Bewertung
durch Individuen, der Subjektivität auch von Expertinnen und Experten sowie der Be-
deutung von Kontextabhängigkeit stärker Rechnung getragen [13].
Handlungsdimension
Die Handlungsdimension von Akzeptanz beschreibt das beobachtbare Verhalten, wobei
sich Handeln in diesem Sinn sowohl auf Tun als auch auf Unterlassen beziehen kann.
(Handlungs-)Aktivitäten können sich vielfältig äußern, so z. B. im Kauf, in der Nutzung,
in der Propagierung (oder dem Gegenteil davon: etwa dem Initiieren von Protesten) oder
in der Unterstützung von (Entscheidungs- und Planungs-)Aktivitäten.
Häufig wird die Handlungsdimension als eigentliche oder tatsächliche Ebene der
Akzeptanz betrachtet, so z. B. bei Lucke (vgl. [12], S. 82). Andere Autorinnen und Autoren
sehen dagegen eine konkrete Handlungsabsicht bzw. eine Handlung als nicht zwingend für
Akzeptanz ([14], S. 19; [15], S. 11). Die wechselseitige Bezugnahme auf Handlungs- und
Einstellungsdimension haben Schweizer-Ries et al. ([15], S. 11) in einem zweidimensio-
nalen Modell abgebildet (s. Abb. 29.2).
Bewertung
positiv BEFÜR-
WORTUNG
ABLEHNUNG WIDERSTAND
Handlung
INDIFFERENZ
DULDUNG
passiv aktiv
UNTERSTÜTZUNG/
ENGAGEMENT
Aktive Akzeptanz
negativ
Abb. 29.2 Zwei Dimensionen
des Akzeptanzbegriffs ([15], S. 11)
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