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66530.2
Risikoanalyse und Risikoethik
Endlagern oder Chemiefabriken – man kann ja theoretisch einen anderen Wohnort
suchen, jedoch in der Regel nur unter erheblichen Belastungen; und
4. zugemutete Risiken ohne Ausweichmöglichkeit wie Ozonloch, schleichende Grund-
wasserverschmutzung, Degradierung von Böden, Akkumulation von Schadstoffen in
der Nahrungsmittelkette, Lärm, Feinstaubbelastung etc.
Die zentrale risikoethische Frage ist, unter welchen Bedingungen das Eingehen von
Risiken (im aktiven Fall) bzw. ihre Zumutung (im passiven Fall) gerechtfertigt werden
kann [11]. Häufig wird zwischen der faktischen Akzeptanz von Risiken und der normativ
erwarteten Akzeptanz, der sogenannten Akzeptabilität, unterschieden [8]. Während die
Akzeptanz im individuellen Ermessen liegt, wirft die Akzeptabilität ethische Fragen auf:
Warum und unter welchen Bedingungen darf man andere Menschen Risiken aussetzen
(s. Kap. 4)? Verschärft stellt sich diese Frage, wenn die möglicherweise Betroffenen von
den Risiken weder in Kenntnis gesetzt wurden noch ihre Zustimmung erklären konnten,
z. B. im Fall von Risiken für zukünftige Generationen. Aufgabe der Risikoethik [11] ist die
normative Beurteilung der Akzeptabilität und Verantwortbarkeit von Risiken in Ansehung
der empirischen Erkenntnisse über Schadensart, Schadensgröße, Eintrittswahrscheinlich-
keit und Resilienz (Widerstandsfähigkeit) und bezogen auf eine spezifische Risikokon-
stellation.2
30.2.2 Konstellationsanalyse für Risiken
Also sind verbreitete Fragen des Typs, wie groß das Risiko bestimmter Maßnahmen oder
neuer Technologien sei, zu pauschal und verdecken die vielfältigen Differenzierungen.
Eine adäquate und sorgfältige Diskussion von Risiken muss kontextbezogen und differen-
zierend vorgehen und soll in Bezug auf das autonome Fahren folgende Fragen so weit wie
möglich beantworten:
Für wen können Schäden auftreten, welche Personengruppen können gefährdet
werden oder müssten möglicherweise Nachteile erleiden?
Wie sind mögliche Risiken auf Personengruppen verteilt? Sind die Träger der Risiken
andere Gruppen als die Nutzer der Vorteile des autonomen Fahrens?
Wer sind jeweils die Entscheider? Befinden sie über selbst einzugehende Risiken,
oder setzen sie andere Menschen Risiken aus?
Welche Arten von Schäden sind vorstellbar (Gesundheit/Leben von Menschen,
Sachschäden, Arbeitsplatzeffekte, Reputation von Unternehmen etc.)?
Mit welcher Plausibilität oder Wahrscheinlichkeit ist mit dem Eintreten dieser Risiken
zu rechnen? Wovon hängt ihr Eintreten ab?
2 Die Ergebnisse von Fraedrich und Lenz [6] zeigen, dass potenzielle Nutzerinnen und Nutzer sich
nicht nur Gedanken um individuelle, sondern auch um gesellschaftliche Risiken machen.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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