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Gesellschaftliche Risikokonstellation für autonomes Fahren – Analyse,
Einordnung670
für das autonome Fahren benötigten langen Atems haben diesbezügliche Entscheidungen
weit in die Zukunft reichende Folgen. Betroffen im Falle von Fehlentscheidungen wären
zunächst die Aktionäre und die Belegschaft der jeweiligen Unternehmen, im Falle dadurch
ausgelöster größerer Krisen auch die Volkswirtschaft, z. B. in Deutschland mit seiner starken
Abhängigkeit von der Automobilindustrie. Die Größe der ökonomischen Herausforderung
kann es geraten erscheinen lassen, auch in einer prinzipiellen Wettbewerbssituation strate-
gische Koalitionen für eine gemeinsame Basistechnologieentwicklung einzugehen.
Auch nach erfolgreicher Markteinführung kann es zu Pannen oder auch durch die Tech-
nologie verursachten Systemeffekten (s. Abschn. 30.3.2) kommen, welche sich zu einem
erheblichen Risiko für die davon betroffenen Marken auswachsen können (s. Kap. 21 und
Kap. 28). Ein in diesem Zusammenhang eigens zu erwähnender Risikofaktor ist die Kom-
plexität der für autonomes Fahren erforderlichen Software. Komplexe Software lässt sich
bekanntlich nicht vollständig testen, sodass in der Nutzungspraxis unerwartete Probleme
auftreten können (zur Testbarkeit und Absicherung des Systems s. Kap. 21). Die Nutzung
ist in diesem Sinne auch nur eine weitere Testphase, die Nutzenden sind auch Testende.
Dies ist bereits heute auch in der Autowelt ein Stück weit der Fall, sind doch Softwarepro-
bleme ein relativ häufiger Grund für Pannen. Ob die Autofahrerinnen und Autofahrer sich
in einem noch stärkeren Sinne als „Testpersonen“ einsetzen lassen, ist eine offene Frage.
Diese Bereitschaft dürfte in sicherheitsrelevanten Fragen kaum vorhanden sein. Wenn ein
Computer wegen eines Softwarefehlers abstürzt, ist das ärgerlich. Wenn ein autonomes
Fahrzeug wegen eines Softwarefehlers einen Unfall verursacht, ist das nicht akzeptabel. In
einem solchen Fall ist – anders als bei „normalen“ Unfällen – eine erhebliche massenme-
diale Aufmerksamkeit zu erwarten.
Insbesondere durch die Macht der Bilder und deren massenmediale Verbreitung können
derartige Vorfälle eine erhebliche Wirkung sogar dann haben, wenn es sich um leicht
korrigierbare Phänomene handelt und die Folgen nicht dramatisch waren. Auf diese Weise ist
beispielsweise das Wort „Elchtest“ durch die Publikation eines Vorfalls auf einer Teststrecke
bis heute sprichwörtlich geworden. Ein anderes Beispiel ist die Geschichte des längerfristigen
Reputationsverlustes von Audi auf dem amerikanischen Markt aufgrund eines Berichts in den
US-Medien 1986 (s. Kap. 28). Unabhängig von der Schwere der Panne drohen auf diesem
Wege Reputationsverlust und damit ökonomische Risiken. Diese drohen auch durch mögli-
che Massen-Rückrufaktionen, die schon für sich eine ökonomische Belastung darstellen, die
aber vermutlich durch den Reputationsverlust noch über
wogen wird. Die Wahrscheinlichkeit
derartiger Entwicklungen steigt mit der Komplexität der benötigten Software, die sich auf
diese Weise als zentraler Aspekt der Risiken des autonomen Fahrens herausstellt.
30.3.4 Risikokonstellation Arbeitsmarkt
Technische und sozio-technische Umbrüche haben üblicherweise Folgen für den Arbeits-
markt. Insbesondere mit der Automatisierung waren und sind Befürchtungen der Ver-
nichtung von Arbeitsplätzen verbunden. Der Automatisierung in Produktion und Fertigung
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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