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68931.2
Wir fahren … und fahren … und fahren …
Use-Cases (s. Kap. 2) orientierte – Perspektiven zum autonomen Fahren und prüfen, in
welchem Zusammenhang das Thema mit Motivationen zu Autonutzung und -besitz steht.
31.2 Wir fahren … und fahren … und fahren …
Die Frage, warum Menschen das Auto nutzen, beschäftigt Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler verschiedener Disziplinen – darunter vor allem Psychologie, Soziologie,
Verkehrswissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften – praktisch schon so lange,
wie es das Automobil gibt [7]. Diese Debatte wird immer wieder hoch emotional gefĂĽhrt
(vgl. [7], [8]), wohingegen Literatur und Studien, die sich mit dem individuellen und gesell-
schaftlichen Nutzen der Autonutzung auseinandersetzen, in diesem Zusammenhang deutlich
in der Minderheit sind (vgl. [9], [10]). Vor dem Hintergrund der Diskussion um eine nach-
haltigere Lebensweise, zu der auch die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs
maßgeblich beitragen könnte, hat sich in den vergangenen Jahren die Suche nach Gründen
der Autonutzung intensiviert, was an der steigenden Zahl von wissenschaftlichen, aber auch
populärwissenschaftlichen Arbeiten bzw. Texten zum Thema nachvollzogen werden kann.
Darüber hinaus gilt das Automobil als Teil eines komplexen, nicht-linearen Systems –
dem System der Auto-Mobilität – das die Voraussetzungen für seine eigene Expansion
immer wieder selbst reproduziert, was sich u. a. in wirkmächtigen komplexen technischen,
politischen und sozialen Wechselbeziehungen zwischen Industrie, Zulieferern, Infrastruk-
turen, Ressourcennutzungen, Stadt- und Regionalplanung etc. zeigt [11]. Dadurch hat eine
Pfadabhängigkeit eingesetzt und es ist ein „Lock-in“- Effekt entstanden, der sich kaum
wieder rückgängig machen lässt (vgl. [11], [12], [13]). Stotz zeigt in diesem Zusammen-
hang auf, wie das technische Artefakt Automobil aktiv in soziale bzw. gesellschaftliche
(Sozialisations-)Prozesse eingebunden ist und auf diese Weise eher den Status eines Sub-
jekts denn den eines Objekts erhält (vgl. [14]). Auch andere Autorinnen und Autoren haben
darauf hingewiesen, dass das Automobil selbst schon lange kein äußerliches Objekt mehr
zu sein scheint, sondern vielmehr eine symbiotische Erweiterung des menschlichen Körpers
(vgl. [15], [16], [17]). Daneben existiert jedoch auch eine Reihe von Untersuchungen, die
die Bedeutung des Autos fĂĽr physisches und psychisches Wohlbefinden und sogar eine
höhere Lebenserwartung hervorheben (vgl. [18], [19], [20]).
Die Motivationen, die empirisch aufgedeckt wurden, ein Auto zu nutzen oder es zu
besitzen, sind vielfältig. Im Folgenden sollen die dominantesten und aktuellsten Er-
klärungsversuche kurz vorgestellt werden.
31.2.1 GrĂĽnde und Motive der Autonutzung
Instrumentelle Motive
Lange Zeit wurden Motive für Autonutzung und -besitz durch Verhaltensmodelle erklärt,
die sich vornehmlich auf instrumentelle bzw. utilitaristische Aspekte stĂĽtzten (vgl. [21]).
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung