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69331.3
Multimethodischer Untersuchungsansatz zum autonomen Fahren
diese Weise kann anschließend erfasst werden, welche Einstellungen und Bewertungen
Auswirkungen auf die Akzeptanz der Technologie erwarten lassen.
Dafür wurde ein multimethodisches Vorgehen gewählt: Um mögliche Varianzen der
Wahrnehmung und Bewertung zu explorieren, wurden Befragte in einer quantitativen On-
line-Erhebung mit spezifischen Anwendungsfällen des autonomen Fahrens konfrontiert.
Ergänzend wurde im Rahmen dieser quantitativen Erhebung eine Freitext-Befragung
durchgeführt – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten so die Möglichkeit, ihre ganz
eigenen Zuschreibungen zum autonomen Fahren vorzunehmen. Eine tiefergehende Analy-
se mit Blick auf den Kontext, in dem autonomes Fahren derzeit wahrgenommen und be-
wertet wird, erlaubten entdeckende qualitative Verfahren, die parallel im Rahmen von
Gruppendiskussionen durchgeführt wurden. Hier lag der Fokus insbesondere auf der Am-
bivalenz der Technikbewertung (s. Kap. 29) und damit auf Erwartungen einerseits und
Befürchtungen andererseits für den Fall einer Implementierung der Technologie. Entde-
ckende qualitative Verfahren erscheinen besonders geeignet, das noch relativ neue For-
schungsfeld zu beleuchten, in dem es bisher kaum Erkenntnisse über Einstellungen und
Motive zum autonomen Fahren aus Nutzersicht gibt – der offene Charakter solcher Unter-
suchungen hilft, diese Motive zu entschlüsseln.
31.3.1 Wahrnehmung und Bewertung des autonomen Fahrzeugs
in Abhängigkeit von spezifischen Anwendungsfällen
Die vier Use-Cases, die im Rahmen des Projektes entwickelt wurden (s. Kap. 2), lassen auch
im Hinblick auf ihre akzeptanzrelevanten Aspekte je unterschiedliche Wahrnehmungen und
Bewertungen des autonomen Fahrens erwarten, denn sie sind nicht nur mit unterschiedlichen
technischen Merkmalen versehen, sondern auch mit spezifischen Implikationen, Anwen-
dungsbereichen und Zuschreibungen assoziiert (s. hierzu auch Kap. 6, Kap. 11, Kap. 12 und
Kap. 32). In einer quasi-repräsentativen Fragebogenerhebung wurden daher mithilfe der
Use-Cases differenzierte Einstellungen zum autonomen Fahren erfasst. Befragt wurden dabei
1000 Personen, die hinsichtlich Geschlecht, Alter, Einkommen und Bildungsabschluss der
Struktur der Gesamtbevölkerung in Deutschland entsprechen. Eine ausführliche Beschreibung
der Erhebung – die in Kooperation mit mehreren Autorinnen und Autoren in diesem Buch
entwickelt und durchgeführt wurde – und der Stichprobe kann in Kap. 6 nachgelesen werden.
Insgesamt haben 57 Prozent der Befragten ein generelles Interesse gegenüber dem
Thema autonomes Fahren deklariert. 44 Prozent geben in einer ergänzenden Frage aller-
dings an, über keine Kenntnisse zum Thema zu verfügen und nur 4 Prozent bezeichnen sich
selbst als gut informiert, fachkundig oder gar als Expertin bzw. Experte. Informationen zum
autonomen Fahren beziehen 78 Prozent aus den Massenmedien, 64 Prozent wenden sich
direkt an Experten, 56 Prozent besprechen sich mit Freunden oder Kollegen, und 40 Prozent
tauschen sich in sozialen Medien aus.
Nach einem allgemeinen Teil mit Fragen zu Soziodemografie, Verkehrsverhalten,
Mobilitätsbedürfnissen etc. wurden die Befragten zufällig je einem von insgesamt vier
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung