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70131.3
Multimethodischer Untersuchungsansatz zum autonomen Fahren
und -besitz orientierte. Die nachfolgende Ergebnisdarstellung fokussiert allerdings auf das,
was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Introspektionsberichten zum Ausdruck
brachten.
31.3.3 Ergebnisse
Die Szenarien, die den Teilnehmenden der Gruppendiskussionen vorgelegt wurden, haben
großes Interesse, aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema angeregt.
Exemplarisch werden im Folgenden Themen beschrieben, die sich bereits in der voran-
gegangenen, explorativen Erhebung als bedeutsam erwiesen hatten. Die Introspektions-
berichte wiesen eine ambivalente Haltung gegenüber dem autonomen Fahren auf, ver-
gleichbar zu den Ergebnissen der Untersuchung, die in Kap. 29 dargestellt wird.
Ergänzend wurde jedoch deutlicher, welche spezifischen Ängste und Sorgen in Bezug
auf das autonome Fahren bestehen bzw. welcher gesellschaftliche Kontext damit assoziiert
wird. Im Folgenden soll dieser ablehnende Horizont des autonomen Fahrens in den Blick
genommen werden – die Ergebnisse entstammen den beiden Gruppen, die das Szenario
zum „Vollautomaten mit Verfügbarkeitsfahrer“ vorgelegt bekamen.
31.3.3.1 Skepsis gegenüber einer Zukunft mit autonomen Fahrzeugen
Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass in dem Szenario, das den
Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorgelegt wurde, die Protagonistin „Yvonne“ die Zeit,
die durch die Befreiung von der Fahraufgabe zur Verfügung steht, u. a. nutzte, um in ihrem
Fahrzeug Arbeitstätigkeiten nachzugehen (z. B. E-Mail-Korrespondenz). Daneben wurden
zwar auch andere Tätigkeiten abgedeckt, aber der Fokus der Darstellung lag eher auf
typischen Organisationstätigkeiten (Kind zur Schule bringen, Einkäufe organisieren etc.)
als auf Freizeit- oder Entspannungsaktivitäten (aus dem Fenster schauen, Filme gucken,
schlafen/relaxen etc.). So könnten skeptische und ablehnende Haltungen der (vor allem
jüngeren) Gruppendiskussionsteilnehmer gegenüber dem autonomen Fahren möglicher-
weise auch der Tatsache geschuldet sein, dass das Leben in der Zukunft ohnehin schon
deutlich mit strukturierten und optimierten Alltagsabläufen belegt war.
Andererseits lassen sich die Eigenschaftszuschreibungen des autonomen Fahrens, die
von den Teilnehmenden vorgenommen wurden, klar in die vorangegangenen Erhebungen
einordnen: Sowohl bei der Explorationsstudie als auch bei der quantitativen Befragung
tauchten immer wieder die gleichen Zuschreibungen auf.
Die „beschleunigte Leistungsgesellschaft“
Dass man seine Zeit in einem autonomen Fahrzeug künftig mit anderen Tätigkeiten ver-
bringen könnte, wurde in den Diskussionen mehrheitlich negativ assoziiert. Die Teil-
nehmerinnen und Teilnehmer äußerten in ihren mündlich vorgetragenen Introspektions-
berichten die Sorge, dass sich durch die Möglichkeit, künftig im Auto nicht mehr auf die
Fahraufgabe konzentriert sein zu müssen, Privat- bzw. Freizeit- und Arbeitstätigkeiten zu
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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