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70531.4
Fazit
einem Fahrzeug, aber auch von Vorstellungen zur Art der Fortbewegung. Die negative
Bewertung lässt sich u. a. damit erklären, dass sich die Menschen möglichen Risiken und
Gefahren, die im Zusammenhang mit einem Vehicle-on-Demand auftreten könnten, eher
„ausgesetzt“ fühlen, als dass sie diese bewusst „steuern“ können – denn selbst steuern ist
bei einem solchen Fahrzeug ja gar nicht mehr möglich (zum Thema Risikobewertung
s. auch Kap. 30). Insgesamt ist derzeit fraglich, ob sich die meisten Menschen überhaupt
etwas unter „autonomem Fahren“ vorstellen können – immerhin 44 Prozent der Befragten
in der quantitativen Erhebung haben angegeben, nichts über das autonome Fahren zu
wissen. Dies zeigt deutlich, dass das Thema bei Weitem noch nicht überall angekommen
ist. Die Ergebnisse können auch als Hinweis verstanden werden, künftig stärker nutzungs-
und anwendungsbezogene Untersuchungen zum autonomen Fahren durchzuführen.
Besonders die negativen Assoziationen mit dem autonomen Fahren bzw. dem autono-
men Fahrzeug lassen darüber hinaus erahnen, dass eine nutzenorientierte Betrachtung auch
spezifische Nutzergruppen adressieren muss. So sollten Szenarien, mit denen gearbeitet
wird, noch stärker die Lebenswelt und das Relevanzsystem der unterschiedlichen Nutze-
rinnen und Nutzer berücksichtigen. Klar wurde in diesem Zusammenhang zumindest, dass
das Vertrauen gegenüber der noch relativ unbekannten Technologie derzeit eher gering
ausgeprägt ist – dass autonome Fahrzeuge überhaupt sicher sein können, wird in Zweifel
gezogen. Gleichzeitig gibt es momentan weder eine konkrete Vorstellung davon, was die
Technologie leisten kann, noch davon, wer hinter der Entwicklung steht und im Zweifels-
fall die Verantwortung, u. a. bei möglichen Schäden, übernehmen würde.
Die vorliegenden Ausführungen haben vor allem den „subjektiv gemeinten Sinn“ bzw.
das reflexive oder theoretische Wissen ([54], S. 40 ff., [58], S. 10 ff.) des autonomen
Fahrens, aber auch der Autonutzung in den Blick genommen: Ziel war dabei, die reflexive
Auseinandersetzung, also die Motive der handelnden Personen herauszuarbeiten und zu
fragen: Welchen Sinn macht die Autonutzung aus subjektiver Perspektive, was denken sich
die Menschen dabei, welche Intentionen liegen ihrem Handeln zugrunde? Diese Sinnebene
bildet das „Orientierungsschema“ der handlungsleitenden Wissensstruktur. In künftigen
empirischen Arbeiten wird es auch notwendig sein, den Orientierungsrahmen, d. h. die
Struktur des Handelns zu entschlüsseln und zu fragen, wie die Praxis der Autonutzung
milieu- und kulturspezifisch hergestellt wird.
Ob durch das autonome Fahren ein fundamentaler Wandel im System der Automobili-
tät ausgelöst werden wird, ist derzeit noch kaum abzusehen – bisher deutet wenig darauf
hin, dass die Hegemonie der Autonutzung ernsthaft gefährdet wäre. Nichtsdestotrotz
könnte es letztendlich gerade eine neue Technologie wie das autonome Fahren sein, die
unser Mobilitätssystem nachhaltig und unumkehrbar transformiert – dazu der Soziologe
John Urry: „Just as the internet and the mobile phone came from ‚nowhere‘, so the tipping
point here will emerge unpredictably, probably from a set of technologies or firms or
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Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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