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71332.2
Theoretische Grundlagen
be stätigt. Darüber hinaus ist das Vertrauen in die Leistung und den Anbieter eine not-
wendige Voraussetzung für die erfolgreiche Einführung innovativer Leistungen.
Im Gegensatz zur bereits gut etablierten Forschung zur Akzeptanz von Technologie-
innovationen und technologiemediierten Dienstleistungen befindet sich die Forschung zur
Kundenwahrnehmung von Dienstleistungsrobotern noch in einem frühen Stadium. Beste-
hende Studien befassen sich schwerpunktmäßig mit dem Einsatz von Robotern im Haushalt
(„Smart Home“, vgl. beispielsweise [31], [49]) und im Gesundheitsbereich [38]. Die
bisherigen Forschungsergebnisse legen nahe, dass Menschen Roboter bevorzugen, die als
vertrauenswürdige, beherrschbare und auf Interaktion und Kooperation fokussierte Unter-
stützer agieren, statt vollkommen eigenständig handelnde Roboter [23]. In gleicher Richtung
weisen die Forschungsergebnisse zu Begleitrobotern darauf hin, dass die Nutzer diese pri-
mär als Assistenz- und Dienstmaschinen sehen werden und nur eine Minderheit der befrag-
ten Stichprobe sie als Gefährten oder gar als Freunde betrachten [18]. Die Forschungsarbei-
ten zu Begleitrobotern empfiehlt, dass die Rolle, das äußere Erscheinungsbild und das
Verhalten des Roboters besser an die menschlichen Bedürfnisse angepasst werden sollten
[9]. Diese Schlussfolgerungen lassen sich auf die Fragestellung übertragen, in welcher Be-
ziehung automatisierte Fahrroboter zu ihrem menschlichen Gegenpart stehen sollten [54].
Ein weiterer zentraler Aspekt der Mensch-Maschine-Interaktion ist die wahrgenommene
Autonomie der Konsumenten [4], [29]. Während die Rolle der Autonomie bereits in einigen
Studien direkt oder indirekt angesprochen wurde, könnte ihre kritische Bedeutung für die
Akzeptanz automatisierter Technologien in den untersuchten Fällen noch nicht vollständig
erfasst sein. Die Beschränkung oder vollständige Aufhebung der Autonomie von Indivi-
duen könnte zu Reaktanz führen, einer negativen psychologischen und gegensätzlichen
Verhaltensreaktion von Konsumenten als Reaktion auf eine empfundene Beschränkung
ihrer individuellen (Entscheidungs-)Freiheit [6], [44]. Automatisierte Fahrsysteme könnten
als Bedrohung der Autonomie des Fahrers wahrgenommen werden. Konsumentenseitige
Reaktanz könnte sich dann in einer Verweigerung der Nutzung und niedrigen Einbauraten
optional angebotener Systeme auswirken. Aus gegenwärtiger Sicht erscheint zumindest
unklar, ob Konsumenten bereit sind, einen Kontrollverlust durch die Übergabe von Ent-
scheidungskompetenz an eine Maschine zu tolerieren [56].
Im nächsten Abschnitt werden die bisherigen Ergebnisse von Studien über die konsu-
mentenseitige Wahrnehmung des automatisierten Fahrens zusammengefasst.
32.2.2 Akzeptanzforschung zum automatisierten Fahren
Bislang existieren erst vergleichsweise wenige Studien zur Konsumentenwahrnehmung
des automatisierten Fahrens. Da aufgrund des Neuigkeitsgrades der technologischen
Entwicklung das Wissen der Konsumenten über das automatisierte Fahren begrenzt ist,
analysiert eine aktuelle Studie die Leserkommentare zu 15 verschiedenen Zeitungsartikeln
über das automatisierte Fahren in Deutschland und den USA [25]. Die Ergebnisse des
Beitrags liefern Hinweise auf das implizierte Nutzenversprechen einer verbesserten Flexi-
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung