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Die Bautätigkeit Herzog Leopolds VI.
162 DIE BAUTÄTIGKEIT DES BISTUMS PASSAU IN
ÖSTERREICH IM 13. JAHRHUNDERT
Wels , Schöngrabern , St. Pölten , Kremsmünster , Ardagger , Pulkau – Karner
Herzog Leopold VI. von Österreich und Steiermark , der in mehrfacher Hinsicht
Ideen und Bestrebungen seines Urgroßvaters Markgraf Leopold III. aufgegriffen
hatte , wie die Verlegung seiner Residenz nach Klosterneuburg , unternahm in den
Jahren 1206 / 1207 einen neuerlichen Vorstoß zur Errichtung eines von Passau un-
abhängigen Landesbistums in Österreich. Der Babenberger wandte sich mit sei-
nem Antrag zu einer Neuregelung der Diözesaneinteilung an Papst Innozenz III.
( reg. 1198–1216 ) mit der Begründung , dass die durch die Größe des Passauer Bistums
bedingten Schwierigkeiten der Seelsorge , die Verzögerung der Spiritualia und das da
raus folgende Überhandnehmen häretischer Bewegungen514 entsprechende Maßnah-
men notwendig erscheinen ließen. Selbstbewusst wies der Herzog darauf hin , dass
Wien , die nach Köln bedeutendste Stadt des Heiligen Römischen Reichs , der ge-
eignete Ort für die Errichtung eines neuen Bistums sei. Um auch den Passauer
Bischof für seinen Plan zu gewinnen , schlug Leopold VI. vor , den Bereich der
neuen Diözese nur auf ein relativ kleines Gebiet des Bistums Passau im Osten
von Österreich einzuschränken. Der Herzog proponierte als neuen Bischofssitz
das Wiener Schottenkloster , die von seinem Großvater Herzog Heinrich II. Jaso-
mirgott gegründete Eigenkirche der Babenberger ; die Schottenmönche wollte der
Herzog an einen anderen Ort verlegen. Das neue Bistum sollte jährlich mit tau-
send Mark finanziell dotiert werden. Der Papst forderte daraufhin den Erzbischof
von Salzburg um Mitwirkung an dem Bistumsplan Leopolds VI. auf , machte sei-
ne Entscheidung aber von der Zustimmung des Bischofs von Passau abhängig.
Dieser lehnte das Projekt ab ; auch der Konvent des Wiener Schottenstifts wandte
sich gegen den Plan , da die Mönche ihr Kloster nicht verlassen wollten. Dennoch
verwarf der Papst das Projekt nicht grundsätzlich , sondern forderte den Herzog
noch im Herbst 1208 auf , die Verhandlungen weiterzuführen.
In höchstem Maß beunruhigt von diesem Vorstoß des Herzogs zeigte sich Bi-
schof Manegold von Passau ( reg. 1206–1215 ) , da er um erhebliche Besitzungen sei-
nes Bistums und vor allem um das mit hohen Einnahmen verbundene Eigenkir-
chenrecht über die Wiener Pfarre St. Stephan fürchtete. Bischof Manegold begab
sich persönlich nach Rom , um seine Bedenken beim Papst zu deponieren. Unter
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur