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Die Bautätigkeit des Bistums Passau in Österreich im 13. Jahrhundert 163
dem Eindruck des gefährlichen Vorhabens des Babenbergerherzogs bemühte sich
der Passauer Bischof nun um die Absicherung der Besitztümer der Diözese in Ös-
terreich. Der schon unter Bischof Wolfger begonnene Umbau des Klosters St. Pöl-
ten wurde nun auch auf eine Erneuerung der gesamten Kirche ausgedehnt. 1209
kam es dort bei Bauarbeiten zur wundersamen Wiederentdeckung uralter Reli-
quien , denen , wie berichtet wird , ein besonderer Wohlgeruch entströmt sei. Sogleich
begab sich Bischof Manegold an den Ort dieses Geschehens , veranlasste die feier-
liche Aufstellung der wiedergefundenen Reliquien und löste damit eine spontane
Wallfahrtsbewegung zur Stätte des Wunders aus515. Wie Friedrich Schragl meint ,
war dieses Reliquienwunder für den Passauer Bischof ein hoch willkommener An-
lass , öffentlich die Altehrwürdigkeit seines Eigenklosters St. Pölten zu demonstrie-
ren ; nicht auszuschließen sei sogar eine Inszenierung des Wunders als pia fraus516.
Wie Bauforschungen zeigten , fanden die Restaurierungsarbeiten an der Klos-
terkirche St. Pölten unter Bischof Manegold im Bereich des Chors statt. Die süd-
liche Nebenapsis wurde unter Bewahrung des Altbestandes aus dem 12. Jahrhun-
dert außen neu ummantelt. Der dabei ausgeführte Rundbogenfries folgte einem
Profiltypus , wie er vor 1187 an der nördlichen Außenmauer der Klosterkirche Hei-
ligenkreuz verwendet worden war517.
Auch im Passauer Eigenkloster Kremsmünster , dem Bischof Manegold in den
Jahren 1206–1209 zugleich als Abt vorstand , erfolgten Restaurierungen im Be-
reich der frühromanischen Vorkirche durch Einbau eines Fensters und eines Stie-
genaufgangs518. Kurz darauf entschloss man sich jedoch auch dort , die gesamte
Stiftskirche großzügig umzubauen. Unter Abt Rudolf ( reg. 1209–1222 ) errichtete
man zunächst an der Südseite der Klosterkirche die geräumige Marienkapelle , die
während der Umbauarbeiten die gottesdienstlichen Funktionen übernehmen und
die Kontinuität von Chorgebet und Messliturgie gewährleisten sollte519.
Inzwischen begann Herzog Leopold VI. , sich einzelner Passauer Besitztümer
in Ostösterreich zu bemächtigen. Insbesondere griff der Fürst nach dem Patro-
natsrecht über St. Stephan in Wien. Offenbar folgten ihm bei diesen Aktionen
auch seine Ministerialen. So brachten sich die Herren von Liechtenstein de Sancta
Petronilla damals wahrscheinlich in den Besitz der Pfarrkirche Petronell , die seit
dem 12. Jahrhundert dem Passauer Eigenkloster Göttweig gehört hatte.
Zur Beendigung des Streits um die Passauer Rechte in Österreich musste sogar
der Kaiser eingreifen. Auf Ersuchen von Bischof Manegold traf Friedrich II. im
April 1215 in Augsburg die Entscheidung , dass Herzog Leopold VI. auf alle An-
sprüche an Passauer Besitzungen in seinem Herzogtum verzichten müsse , die er
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur