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Die Bautätigkeit Herzog Leopolds VI.
164 im Hinblick auf das geplante Landesbistum in Wien erhoben hatte520. Damit war
der Plan des Babenbergerherzogs zur Errichtung eines Landesbistums in Öster-
reich vorerst gescheitert. Für Passau war der Sieg jedoch von zweifelhaftem Wert ,
da das Bistum zwar seine Rechte und Besitzungen zurückerhalten und bestätigt
bekommen hatte , weiterhin jedoch im Verband der bayrischen Kirchenprovinz
und der Metropolis Salzburg unterstellt bleiben musste.
In die Regierungszeit Bischof Ulrichs von Passau ( 1215–1221 ) fällt eine bedeu-
tende Bautätigkeit in der Stadt Passau selbst , ebenso aber auch auf den österreichi-
schen Besitzungen. Im Kloster Niedernburg in Passau , welches Kaiser Friedrich
I.
Barbarossa dem Bistum im Jahre 1161 geschenkt hatte521 , wurde die Marienkir-
che neu errichtet. Von diesem Neubau ist der Westteil des Langhauses mit dem
Hauptportal erhalten , das durch eine Inschrift zwischen 1215 und 1217 datiert
ist522. Im Jahre 1217 erfuhr der Passauer Bischof eine bedeutende Standeserhö-
hung , als er vom Kaiser in den Reichsfürstenstand erhoben und mit dem Ilzgau
belehnt wurde. Zum Zeichen dieses Prestigegewinns ließ Bischof Ulrich 1219 die
Festung Oberhaus in Passau neu errichten523.
Wels
Im Gebiet des heutigen Österreich erfolgten um 1216 Umbauarbeiten an der
Stadtpfarrkirche Wels , die als Eigenkirche des Stifts Kremsmünster seit ältesten
Zeiten mit Passau in direkter Verbindung stand524. Auch in Wels sah sich das
Bistum Passau mit Expansionsbestrebungen der Babenberger konfrontiert : 1207
hatte Herzog Leopold VI. die Herrschaft Wels durch Kauf vom Bistum Würzburg
erworben , das sie seit 1089 innegehabt hatte525. An der Stelle eines karolingischen
Saalbaus erfolgte die Errichtung einer dreischiffigen Basilika mit vier Langhaus-
arkaden , wobei die Reste der karolingischen Mauern teilweise als Streifenfunda-
mente für die Mittelschiffpfeiler wiederverwendet wurden. Wie Kurt Holter nach-
weisen konnte , hatte der Westbau dieser Kirche mit einer Portalvorhalle , einer
darüberliegenden Herrschaftsempore und einem Westturm , eine selbstständige
rechtsgeschichtliche Bedeutung526 , die das Eigenkirchenrecht von Kremsmüns-
ter , und damit indirekt jenes des Passauer Bischofs , architektonisch manifestierte.
Wie Bauuntersuchungen zeigten527 , ist das Portal an der Ostwand dieser Vorhalle
nicht unverändert erhalten geblieben : Ursprünglich war es Teil einer umfangrei-
cheren Toranlage , zu der auch Rundbogenöffnungen nach Norden und Süden ge-
hört hatten528. Das Welser Portal ( Abb. 70 a und b ) zeigt einige Verwandtschaft
zur bayrischen Spätromanik um 1200 ( Biburg , Windberg , Isen ). Die Portalsäulen
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur