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Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Seite - 168 -
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Die Bautätigkeit Herzog Leopolds VI. 168 Für die Baukunst der Zeit Bischof Ulrichs von Passau sind offensichtlich en- ge Beziehungen zur Architektur im lokalen Umfeld von Bayern kennzeichnend. Diese Baukunst war von konservativ spätromanischer Prägung. Darüber hinaus erscheint eine spezifische Aussageabsicht erkennbar : Die Kastenreliefs mit der Darstellung von Giedeons Löwenkampf in Passau-Niedernburg und mit einem leierspielenden Meerwesen sowie dem Lebensrad in Schöngrabern sind offensicht- lich bewusst antikisierend aufgefasst. Auch die Halbfigurenreliefs in den Rund- bogennischen vom Westportal der Tullner Pfarrkirche wurden von Hans Tietze und Renate Wagner-Rieger jenem antikisierenden Stil zugerechnet , der an provin­ zialrömische Grabsteine erinnert560. In Kremsmünster kam es um diese Zeit zur Wiederverbauung antiker Spolien , die wahrscheinlich aus dem römischen Ovila­ va ( Wels ) stammten561. Auch beim Neubau des Chors der Pfarrkirche St. Petro- nilla in Petronell , deren Errichtung auf Passauer Initiative zurückgehen dürfte , wurde ein römischer Reliefstein aus Carnuntum als demonstrativ zur Schau ge- stellte Spolie eingemauert562. Die Begründung für diese Stilhaltung wird wohl nicht bloß in einer allgemeinen Renaissanceströmung zu suchen sein , wie sie für die späte Stauferzeit mehrfach nachgewiesen ist. Vielmehr dürfte das Bistum Passau bewusst die Aufmerksamkeit auf seine eigene spätantik-frühchristliche Vergangenheit gelenkt haben. In oft wiederholter Argumentation hatten sich die Passauer Oberhirten seit Bischof Pilgrim immer wieder auf die Rechtsnachfolge des Erzbistums Lauriacum berufen , von welcher sie alte Rechtstitel und Ansprü- che abzuleiten suchten. So wie man Urkunden in gutem Glauben gefälscht hatte , um vermeintliche Besitzrechte durchzusetzen , so wurde nun an Passauer Bauten Vergangenheit in Form scheinbar uralter Architekturreste gefälscht. Beim Neubau der Pfarrkirche von Pe- tronell konnte der Einbau antiker Spoli- en das hohe Alter der Rechtsansprüche des Passauer Eigenklosters Göttweig auf diese Pfarre gegenüber Usurpatoren zum Ausdruck bringen563. In Schöngrabern verband man die mit dem Antikenzitat beabsichtigte Demonstration der Altein­ gesessenheit dieser Filialkirche der schon Abb.  72 : Dom ( ehem. Klosterkirche ) in St. Pölten. Baualtersplan
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Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Titel
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Autor
Mario Schwarz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78866-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
498
Schlagwörter
Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Kunst und Kultur
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