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Die Bautätigkeit des Bistums Passau in Österreich im 13. Jahrhundert 185
gewohnheiten folgte und das Strebewerk offen zur
Schau stellte , wurden die Strebebogen am Salzbur-
ger Dom und in Baumgartenberg unter den Seiten-
schiffdächern versteckt , in Ardagger sogar in die
Seitenchor kapellen hineinverlegt624.
So wie in Kremsmünster ist der Grundriss des
Chors von Ardagger erstaunlich innovativ : Das
reich differenzierte Gefüge von rechteckigen und
polygonalen Apsiden findet sich auch in der gleich-
zeitigen französischen Baukunst , etwa am Chor
der Zisterzienserkirche von Vaucelles , der wegen
seiner bemerkenswerten Anlage zwischen 1236 und
1241 sogar von Villard de Honnecourt in dessen
Bauhüttenbuch zeichnerisch festgehalten wurde625.
Aus der Zeit des Chorbaus stammt auch das
Südportal ins Langhaus der Stiftskirche Ardagger.
Es wurde an einer Stelle in die bestehende früh-
romanische Außenmauer gebrochen , wo ein schon
bestehendes Rundbogenfenster nun als Entlas-
tungsbogen für die neue Toröffnung diente. Das
Portal erhielt ein abgestuftes Gewände mit beiderseits je zwei eingestellten Säulen ,
deren Schäfte monolithisch gearbeitet waren. Die Säulenbasen und Kapitelle des
Portals sind im Mauerverband versetzt. Mit den Gewändesäulen korrespondieren
zwei Rundstabarchivolten im Bogenbereich des Tors. Wie ein bei Freilegungsarbei-
ten aufgefundenes typengleiches Kapitell und ein weiteres Kapitellfragment erken-
nen lassen , hatte das Portal ursprünglich noch eine äußere Umrahmung mit einem
zusätzlich vorgestellten Säulenpaar. Die eigentliche Toröffnung besteht in einem
steinernen Rechteckrahmen mit Karniesprofil und abschließenden Eckspornen.
In den schlank proportionierten Portalsäulen , in der Kapitellplastik mit den
sehnig scharfkantigen Blattknospen und Kelchblättern und dem tief eingezoge-
nen , schmalen Kapitellkörper , aber auch mit dem auf eine schmale Deckplatte
reduzierten Kämpfergesims und den flachen , im unteren Torus unterschnitten ge-
arbeiteten Basisprofilen besitzt das Südportal von Ardagger große Ähnlichkeit zu
den Kapitelsaaleingängen und den Fensterwänden der Zisterzienserkreuzgänge in
Lilienfeld ( vor 1230 ) und Heiligenkreuz ( vor 1240 ) und reflektiert die Einflüsse der
Kapitellplastik der Capella Speciosa626. Dieser Einfluss der babenbergischen Bau-
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur