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Die Bautätigkeit Herzog Leopolds VI.
190 provisorischen Holzbauten bereits vorhanden gewesen sein637. Die Ausgangslage
der Gründung von Baumgartenberg war also zunächst sehr günstig , zumal das
Kloster auch ausgiebig bestiftet war638.
Ursache langwieriger Konflikte sollte allerdings die Gründung zweier weiterer
Klöster durch Otto von Machland werden. 1147 übergab er seinem Schwager , dem
Passauer Bischof Reginbert , seine Burg Säbnich mit dem Auftrag , dort Augusti-
ner-Chorherren anzusiedeln639 ; nachträglich wurde das Kloster nach Waldhausen
verlegt. Auch das Benediktinerinnenkloster Erla wurde wahrscheinlich von Ot-
to von Machland gegründet640. Als der inzwischen verwitwete Stifter aber kurz
vor seinem Tode im Jahre 1148 selbst in den Zisterzienserorden eintrat und testa-
mentarisch verfügte , dass sein gesamtes Erbe dem Kloster Baumgartenberg zufal-
len sollte , erwuchs daraus ein erbitterter Streit zwischen den Zisterziensern von
Baumgartenberg und dem Passauer Bischof Konrad von Babenberg , der inzwi-
schen den Passauer Bischofsstuhl bestiegen hatte , führte beim Generalkapitel des
Zisterzienserordens Klage gegen den Abt von Baumgartenberg. Noch um 1188 gab
es mit dem Kloster Säbnich-Waldhausen Streitigkeiten in Besitzfragen641. Doch
auch mit den Nachkommen der Stifter kam es zu heftigen Auseinandersetzungen ,
als diese die Schutzvogtei über Baumgartenberg beanspruchten642. Da die Stifter-
familie mit den Babenbergern verwandt war , ergriff Herzog Leopold V. im Jahre
1188 nicht für die Zisterzienser Partei , sondern bestätigte das Vogteirecht Ottos
von Clam , des Enkels des Klostergründers. So hatten Rechtsstreitigkeiten und der
starke Unabhängigkeitswille der Zisterzienser das Stift Baumgartenberg im Laufe
der zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts in Konflikt mit den Bischöfen von Pas-
sau , mit der Stifterfamilie und mit dem Landesfürsten gebracht. Von keiner dieser
Seiten erfolgten daher weitere Begünstigungen , die einem Ausbau von Stiftskir-
che und Kloster zugutegekommen wären. Baumgartenberg musste die Bauarbei-
ten aus seinen begrenzten Eigenmitteln finanzieren , wodurch es zu erheblichen
Verzögerungen kam. Die provisorischen hölzernen Klostergebäude des 12. Jahr-
hunderts blieben teilweise sogar noch bis in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts be-
stehen , bis erst unter Abt Walter I. ( reg. 1272–1275 ) das Dormitorium , unter Abt
Chunrat ( reg. 1275–1285 ) die Pfortenkapelle , unter Alhard ( reg. 1285–1287 ) das Re-
fektorium und unter Rapoto ( reg. 1287–1298 ) die Spitalskirche und das Brunnen-
haus des Kreuzgangs in Steinbauten neu errichtet werden konnten643.
Offenbar bestand das Hauptinteresse der Zisterzienser von Baumgartenberg
anfangs gar nicht darin , das Kloster durch hervorragende Bautätigkeit berühmt
zu machen. Im Vordergrund stand eine herausragende religiöse Disziplin , die der
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur