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Die Pfarr- und Filialkirchen der Ministerialen 203
Pfarrkirche von Petronell war der Ministeriale Dietrich von Liechtenstein , ge-
nannt de Sancta Petronella , der bis 1209 wiederholt als Zeuge in Urkunden des
Landesfürsten vorkommt. Die kleine Filialkirche von Wildungsmauer ( Abb. 104 )
wurde von der Ministerialenfamilie der Doerr von Wildungsmaure gestiftet.
Durch die Lage von Bad Deutsch Altenburg hart an der Grenze des Heiligen
Römischen Reichs ergaben sich vielfältige kulturelle Kontakte mit dem Nach-
barland Ungarn. Dort besaßen die Adelsfamilien viel größere Unabhängigkeit
und Privilegien auf der Grundlage einer ganz unterschiedlichen sozialen Stel-
lung. Dies ermöglichte den Adeligen in Westungarn in der ersten Hälfte des
13. Jahrhunderts die Gründung mehrerer Sippenklöster und führte zu einer regen
Bautätigkeit. In Österreich gingen hingegen
die meisten Klostergründungen des 12. und
frühen 13. Jahrhunderts auf den Landesfürsten
zurück. Die wenigen Stiftungen von Adels-
familien waren oft so gering dotiert , dass die
Klöster schon bald mit dem wirtschaftlichen
Untergang zu kämpfen hatten ( Wilhering ).
An anderen Orten brachen Besitzstreitigkeiten
aus ( Baumgartenberg ) , die den Weiterbestand
gefährdeten , mitunter musste der Landesfürst
durch Übernahme der Stiftungsverantwor-
tung helfen ( Kleinmariazell ). Nur die beson-
ders einflussreiche Ministerialenfamilie der
Kuenringer war imstande , ein von ihr gegrün-
detes Kloster auch großzügig auszustatten.
Richard Kurt Donins Hypothese einer Ver-
mittlung von Bauleuten aus Regensburg sowohl
nach Bad Deutsch Altenburg als auch nach
Ungarn über die iroschottische Benediktiner-
kongregation , der sowohl das Kloster St. Jakob
in Regensburg als auch das Wiener Schotten-
kloster angehörten , konnte bisher nicht bewie-
sen werden696. Naheliegend ist dagegen die An-
nahme , dass es zu Kontakten der Bauleute aus
Österreich und aus Ungarn durch die gemein-
same Nutzung nahe gelegener Steinbrüche im Abb.
104 : Innenansicht der Filialkirche in
Wildungsmauer
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur