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Die Bautätigkeit Herzog Leopolds VI.
206 nach dem Gründungsdatum der Pfarrkirche ein plausibles Motiv , auf das bereits
Karl Lind in der ersten wissenschaftlichen Beschreibung des Karners hingewiesen
hat701 : Er brachte die Stiftung des Rundbaus , den er als imitatio der Anastasis-Ro-
tunde des Heiligen Grabes in Jerusalem ansah , mit der Teilnahme eines Mitglieds
der Stifterfamilie , Friedrich Ritter von Doerr , an dem Kreuzzug von 1217 bis 1219
in Verbindung. So , wie Herzog Leopold VI. , den Friedrich von Doerr begleitete ,
für den Fall einer glücklichen Heimkehr vom Kreuzzug den Bau eines Karners in
Klosterneuburg gelobte und wie dies auch als Motivation für den Bau des Karners
von Pulkau durch Gebhard von Playen-Hardegg angenommen wird , dürfte dies
wahrscheinlich auch in Bad Deutsch Altenburg durch die Familie der Ritter von
Doerr als ex voto für den Kreuzfahrer aus ihrer Familie geschehen sein.
Ein weitgehend unverändert erhaltener spätromanischer Quaderbau ist die
Pfarrkirche St. Petronilla in Petronell , die sich in der näheren Umgebung von Bad
Deutsch Altenburg befindet702. An das Langhaus mit einem ungewölbten Saal-
raum schließt westlich ein quadratischer Turm und ostseitig ein ebenfalls qua-
dratischer , eingezogener Chor an. Alle diese Bauabschnitte sind mit Ecklisenen
versehen , zwischen denen sich Rundbogenfriese erstrecken. Am Chor sind die
Wandfelder mit Halbsäulen gegliedert und die Bogen der Friese mit zusätzlichem
halbkreisförmigem Reliefschmuck gefüllt. In der Mitte der Ostwand ist zwei Qua-
derscharen oberhalb des Sockels ein römisch-antiker Reliefstein eingemauert. Sei-
ne Oberfläche zeigt eine von einem Blattkranz umgebene Rosette und eine äußere
Umrahmung aus Efeuranken. Im Chor ist noch das mittelalterliche Kreuzrippen-
gewölbe mit abgefasten Bandrippen erhalten. Das am gesamten Bau durchlaufende
attische Sockelprofil zeigt , dass die Kirche – abgesehen vom Anbau einer spätgoti-
schen Südkapelle – in einem zusammenhängenden Bauvorgang entstanden ist. Die
Rundbogenfriese von St. Petronilla sind in ihrer Profilierung identisch mit jenen
der Pfarrkirche Bad Deutsch Altenburg , ebenso der umlaufende Gebäudesockel. So
wie an der Kirche von Bad Deutsch Altenburg zeigen sich auch in Petronell Über-
einstimmungen mit der Bauplastik in Regensburg. Hier sind es die Relieffüllungen
des Rundbogenfrieses , die jenen am Nordportal der Kirche des Schottenklosters
St. Jakob entsprechen. Ein heute verwittertes Kapitell der Kirche St. Petronilla be-
saß nach einer Darstellung von 1853 große Ähnlichkeit mit Kapitellen des Kreuz-
gangs von St. Jakob. 1966 wurden bei Freilegungen des Langhausmauerwerks an
der Südseite zahlreiche Quader gefunden , die aufgrund von Dübellöchern und Ab-
arbeitungsspuren als wiederverwendete Bausteine von antiken Gebäuden aus der
nahe gelegenen Römerstadt Carnuntum identifiziert werden konnten.
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur