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Kaiser Friedrich II. in
Wien210
jeder Seite erstreckt. In Entsprechung zu beiderseits fünf Pfostenstufen der senk-
rechten Gewände liegen im Bogenbereich des Portals fünf Archivoltenstufen , die
in geometrischen Mustern reliefiert sind. Wie Ansätze beweisen , waren auch die
entsprechenden senkrechten Pfostenstufen ursprünglich mit derartigen Mustern
versehen , die jedoch grob abgemeißelt wurden. Entsprechend den beiderseitigen
fünf Gewändesäulen liegen im Bogenbereich des Tors fünf Rundstabsarchivolten.
An den Bogenanfängern dieser Rundstäbe ruhen auf dem Kämpfergesims skulp-
tierte Halbfiguren. Derartige Büsten sind auch über den seitlichen Flankensäulen
der Portalvorhalle zu finden. Das reliefierte rundbogige Tympanon ruht links und
rechts auf den Konsolenendungen des innersten Portalpfostens.
Neben dem figürlichen Skulpturenschmuck bestimmen die geometrischen
Zierformen in Reliefarbeit das charakteristische Erscheinungsbild des Riesentors
( Abb. 108 ) : Die Schäfte der Portalsäulen sind abwechselnd mit diagonal geleg-
ten Flechtbändern und mit blattbesetzten gewundenen Kanneluren sowie mit
geschuppten Blättern reliefiert. Im Bogenbereich findet man an den Archivol-
tenstufen über Eck stehende intermittierende Zacken , unterschnitten herausge-
arbeitete Fischgrätmuster , ausgehöhlte Rhombengitter , gegenständig zugeordne-
te Dreiecksleisten mit hinterlegten Diamantbändern sowie über Eck gekuppelte
Rundbogenfriese mit Lilienbünden. Diese sehr charakteristischen Schmuckfor-
men gehören zum sogenannten normannischen Formenschatz der mittelalterlichen
Architektur , der sich zuerst in Nord- und Nordwesteuropa aus den Musterformen
von Zierschnitzereien in der Holzbaukunst entwickelt hatte und abstrahiert in
den Steinbau übernommen worden war. Erstmals Fuß gefasst hatten die norman-
nischen Zierformen in Mitteleuropa durch irische Wandermönche , die im Jahre
1089 aufgrund eines Schutzbriefes des Kaisers Heinrichs IV. in Regensburg sess-
haft geworden waren705. Damit beendeten sie die fast vierhundert Jahre währende
Peregrinatio des Wanderapostolats irischer Missionare , dem ein Großteil Mitteleu-
ropas die Christianisierung verdankt hatte. Die irischen Mönche aus Regensburg
blieben in engster Verbindung mit ihrem Herkunftsland , welches im Mittelalter
die Bezeichnung Scotia major trug , weshalb die Iren hierzulande als Schotten be-
zeichnet wurden. Als Abt Dionysius ( reg. 1098–1121 ) das Kloster St. Jakob in Re-
gensburg zu bauen begann , sandte er eine vierköpfige Delegation seines Konvents
nach Irland , um vom irischen König-Bischof Cormac Mac Cartach Unterstüt-
zung zu erhalten706. Abt Christian Mac Carthy von St. Jakob in Regensburg ( reg.
ab 1133 ) besuchte Irland zweimal. Wahrscheinlich war der Grund seines ersten
Besuches die Einweihung der Cormac’s Chapel in Cashel. Später kam Abt Chris-
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur