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Kaiser Friedrich II. in
Wien214
kante der Archivolte trafen721. Durch Aushöhlen der Archivoltenflächen und
durch Herausarbeiten der verbleibenden Eckrhomben entwickelte sich daraus
das Lozenge Motiv722.
Dieses Motiv hat in Mitteleuropa besonders zahlreiche Nachfolge gefunden :
Es erscheint an den Arkaden des Kreuzgangs von St. Jakob in Regensburg , am
Südportal der Abteikirche St. Emmeram in Regensburg sowie im Nordflügel
des Kreuzgangs dieses Klosters , man findet es in Westungarn am Südportal der
Klosterkirche in Lébény sowie am Westportal und an den Apsisfenstern der Klos-
terkirche in Ják , aber auch in Oberungarn ( heute Slowakei ) am Portal der Kir-
che von Ilija und in der Umgebung von Wien am Brauttor der Liebfrauenkirche
in Wiener Neustadt ( Abb. 134 , 135 ) und am Kapellenportal des Tullner Karners
( Abb.
154 , 156 ).
Auch das Motiv der innersten Archivoltenstufe des Wiener Riesentors , der ge-
genständige , mit Lilienbünden gekuppelte Rundbogenfries , ist an irischen Kir-
chenbauten zu finden. Es erscheint am Hauptportal der St. Brendan’s Kathedrale
in Clonfert ( Galway ) ebenso wie am Portal der Kathedrale in Killaloe ( Clare ).
Bis ins Detail übereinstimmend mit der Ausbildung am Riesentor von St. Stephan
erscheint diese Friesform am Nordportal und am großen Rundfenster der Klos-
terkirche in Třebič ( Mähren ) , aber auch in Niederösterreich am Nordportal der
Klosterkirche in Kleinmariazell ( Abb. 132 , 133 ) sowie im Bogenbereich des Kapel-
lenportals am Karner von Mödling.
Nachdem Rudolf v. Eitelberger bereits 1858 auf die stilistischen Überein-
stimmungen zwischen dem Wiener Riesentor und dem Portal der ungarischen
Klosterkirche Ják hingewiesen hatte723 , stellte Wilhelm Anton Neumann , als
Ergebnis ausführlicher Forschungen über das Riesentor724 , erstmals 1903 die Ab-
hängigkeit der charakteristischen geometrischen Dekorationsmuster von der
normannischen ( schottischen ) Architektur fest725. Neumann vermutete , dass die-
ser Formenschatz von einer Bauschule verbreitet worden sei , die mit dem Bene-
diktinerorden in Zusammenhang stand und von mächtigen Protektoren im Lande
beschäftigt wurde726. Richard Kurt Donin folgte den Überlegungen Neumanns
und stellte durch Zusammenfassen einer Gruppe mit dem Wiener Riesentor stil-
verwandter Portale die These einer niederösterreichischen Portalschule auf und
meinte , dass diese Ornamentformen … wahrscheinlich durch die … nach Wien be
rufenen Schotten und ihrem um 1200 vollendeten ersten … Kirchenbau weitere Ver
breitung fanden727. In späteren Arbeiten vertrat Donin die Ansicht , dass eine zu
St. Stephan in Wien bestehende Bauhütte das Zentrum stilistischer Ausstrah-
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur