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221Kaiser
Friedrich II. in Wien
Karl Lechner erkannte , daß der Kaiser bei der Neuordnung der Verhältnisse der
beiden Herzogtümer Österreich und Steiermark an sein eigenes Haus und dessen Nut
zen dachte747. Vielleicht dachte Friedrich II. bereits damals daran , dereinst seine
Enkel Heinrich und Friedrich aus der Ehe seines Sohnes Heinrich VII. mit der
Babenbergerin Margarete mit den heimgefallenen Herzogtümern zu belehnen ;
1250 verfügte der Kaiser tatsächlich testamentarisch die Belehnung seines En-
kels Friedrich mit Österreich und Steiermark durch König Konrad IV. , allerdings
starb der designierte Herzog schon im darauffolgenden Jahr748.
Zieht man all diese Aktivitäten des Kaisers in Wien im Frühjahr 1237 in Erwä-
gung , so erscheint die Annahme berechtigt , dass es niemand anderer als Fried-
rich II. von Hohenstaufen selbst war , der den Umbau der Wiener Stephanskirche
zu einem prachtvollen Kaiserdom initiiert hat. Höchsten Repräsentationsanspruch
erhebt die Doppelturmanlage mit dem von der Majestasdarstellung beherrschten
Westportal und der über alle drei Schiffe des basilikalen Langhauses reichenden
Westempore. Gleichzeitig mit dem Kaiser waren seine wichtigsten Gefolgsleute ,
der König von Böhmen und Bischof Ekbert von Bamberg , in Wien. König Wen-
zel I. konnte dem Kaiser erfahrene Bauspezialisten von dem gerade im Umbau
befindlichen Familienkloster der Přemysliden in Třebič vermitteln , Bischof Ek-
bert hatte über Jahrzehnte als verantwortlicher Träger des Umbaus des Bamberger
Doms eminente Erfahrung im Bauwesen. 1220 / 1225 hatte Kaiser Friedrich II. dem
Dombau in Bamberg beträchtliche Mittel zufließen lassen , die dort einen ganz ent-
scheidenden Baufortschritt bewirkten749. Darüber hinaus war Bischof Ekbert wäh-
rend seines Ungarnaufenthalts bei seiner Schwester Königin Gertrud mit aktuellen
ungarischen Bauprojekten konfrontiert worden750. Es kann daher keineswegs ver-
wundern , an einem durch den Kaiser in Gang gesetzten Bau böhmisch-mährische
wie auch bambergische und ungarische Wirkungsfaktoren zu entdecken.
Wie auf die Person Kaiser Friedrichs II. zugschnitten ist die prononcierte nor-
mannische Stilsprache des Riesentors. Mit der Wahl Friedrichs von Hohenstaufen
zum Deutschen König im Jahr 1212 und vollends seit seiner Kaiserkrönung im Jahr
1220 hatte das Reich erstmals einen Herrscher , der mütterlicherseits von den nor-
mannischen Königen Siziliens abstammte. Nach dem Tode seines Vaters Kaiser
Heinrich VI. am 28. September 1197 , der mit Konstanze von Hauteville , der Toch-
ter und Thronerbin König Rogers II. von Sizilien , verheiratet gewesen war , wurde
Friedrich bereits im Alter von vier Jahren am Pfingstsonntag 1198 zum König von
Sizilien gekrönt751. Friedrich war in Italien geboren worden und wuchs mit der
normannischen Kultur dieses Südreiches auf , der er sich mehr verbunden fühlte
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur