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Kaiser Friedrich II. in
Wien224
begonnen worden771. Dieser Ausbau wurde nun ab 1219 unter Abt Berthold wei-
tergeführt772. Dabei entstand eine von der französischen Zisterzienserarchitektur
beeinflusste Anlage , die an einigen hervorgehobenen Stellen mit normannischem
Bauschmuck ausgestattet wurde. Das Hauptwerk war dabei das in die Klosterkir-
che führende Portal in der Nordwestecke des Kreuzgangs. Das Stufengewände
mit beiderseits sechs eingestellten Portalsäulen setzt sich unmittelbar und ohne
Unterbrechung in der Abfolge von gewölbetragenden Säulen der Kreuzgangsar-
chitektur fort , sodass sich links und rechts vom Kircheneingang je neun Säulen-
stellungen aneinanderreihen. Vier der sechs spitzbogigen Archivoltenstufen des
Portals sind mit normannischen Friesbändern versehen. Die äußerste Archivolte
zeigt an ihrer Vorderseite eine Folge von plastisch herausgearbeiteten Rhomben ,
die über einem unterlegten Rundstab verlaufen. Zur Portalmitte hin folgt nach
einer , als glatter , von Kehlen begleiteter Rundstab gestalteten , Archivolte ein ge-
staffeltes Zackenband , wobei die innere Zackenreihe kontinuierlich gestaltet ist ,
während die äußere diese in unregelmäßigen Abständen übergreift. Nach einer
weiteren aus einem Rundstab zwischen Kehlen gebildeten Archivolte folgt ein
Relief breiter Dreieckszacken , deren Vorderflächen mit stilisierten Blättern reli-
efiert sind , während die Zackenspitzen in einen durchlaufenden Rundstab mün-
den. Die innerste Archivolte des Portals ist in eine Gitterstruktur aus gegenstän-
digen ausgenommenen Dreiecken an Vorder- und Seitenfläche der Bogenkante
aufgelöst , die über einen Rundstab gelegt ist. Auch der Scheidbogen zum an-
schließenden ersten Joch des nördlichen Kreuzgangflügels ist in normannischen
Formen gestaltet , und zwar als gestaffeltes Zackenband. In feinster Steinmetz-
arbeit ist auch die Fensterwand im mittleren Joch des Nordgangs ausgestaltet :
Über den fünf Spitzbogen der Fensterarkatur verläuft ein Fries von tief ausge-
höhlten Chevron Bändern , die in ihrem Richtungsverlauf jeweils zum Bogen-
scheitel hin gespiegelt sind. Über den fünf Arkaden ist eine Fensterrose mit einer
rundbogigen Radspeichenunterteilung und einer tiefen Trichterlaibung ange-
ordnet , die ein Chevron Band als Randeinfassung besitzt. Dieses Fischgrätmuster
verläuft kontinuierlich in einer Richtung und ist ebenfalls von einem Rundstab
unterlegt. Mit den normannischen Zierelementen war dieser Abschnitt der Fens-
terwand des Lektionsgangs als Platz für den Vorleser gegenüber dem Sitz des Abtes
bedeutungssteigernd hervorgehoben773.
Es besteht wohl kein Zweifel , dass die Ausgestaltung des Kreuzgangs in der
Reichsabtei St. Emmeram zu Regensburg mit Billigung , wahrscheinlich sogar im
Auftrag des Kaisers erfolgte. Gerade die Klosterpfalz St. Emmeram spielte in der
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur