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Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
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Kaiser Friedrich II. in Wien228 WIENER HOFBURG – EINE SPÄTSTAUFISCHE KASTELLBURG Neuere Forschungen erbrachten wichtige Indizien dafür , dass auch der Bau der Wiener Hofburg auf eine Gründung Kaiser Friedrichs II. anlässlich seines Auf- enthalts in Wien im Jahre 1237 zurückgeht785. Bei Umbauten am Eingangsbe- reich der Weltlichen und Geistlichen Schatzkammer der Hofburg im Jahre 1987 wurden an der Nordostseite der Umfassungsmauer der Burgkapelle spätromani- sche Rundbogenfenster mit Schräggewände freigelegt ( Abb.  111 a und b ). Diese sorgfältig aus Werkstein gefertigten Fenster erscheinen im architekturhistorisch- stilkritischen Vergleich um Jahrzehnte älter als die für die Gründung der Hof- burg angenommene Datierung um 1275 unter König Ottokar II. Přemysl , die man aus den mittelalterlichen Quellennachrichten der Continuatio Vindobonen­ sis und des Chronicon Colmariense ableitete786. Die schmalen Proportionen der Fenster mit glatten Trichterlaibungen sowohl nach außen als auch nach innen und mit einem eckigen Absatz , der einen schmalen Steinrahmen bildet , finden sich genau übereinstimmend an den Resten der mittelalterlichen Krypta der Au- gustiner-Chorherren-Stiftskirche St. Florian in Oberösterreich ( Abb. 130  b ). Der Bau dieser Anlage wurde nach einem Brand von 1235 und vor 1240 unter Propst Bernhard begonnen787. Gleiche Formmerkmale besitzen auch zwei Rundbo- genfenster am Hochchor der Benediktinerstiftskirche Kremsmünster , der nach Überlieferung des Chronisten Bernardus Noricus zwischen 1232 und 1237 erbaut wurde788. Bei den Vergleichsobjekten handelt es sich um Bauten , deren histori- sche und auch kirchenpolitische Bedeutung zur Zeit ihrer Errichtung sehr groß war : Der Chorbau von Kremsmünster stellte eine der wichtigsten Bauleistungen des Bistums Passau auf seinen Besitzungen in Österreich dar und erfolgte zu ei- ner Zeit machtpolitischer Auseinandersetzungen mit dem Landesfürsten in der Frage eines Landesbistums. Ähnliches gilt für die Polygonalapsis der Krypta von St. Florian : Hier erfolgte ein Wettstreit an Begünstigungen und Zuwendungen einerseits durch die Babenberger , die die Schutzvogtei des Stifts innehatten , an- dererseits durch die Passauer Bischöfe , denen das Kloster unterstand. Die po- lygonalen Apsisgestaltungen der beiden Vergleichsbauten standen in der öster- reichischen Entwicklung auf höchstem innovativem Niveau. Rundbogenfenster jener Art , wie das an der Wiener Hofburg freigelegte , sind also an prominentes- ten Bauten in Österreich zwischen 1232 und 1240 nachgewiesen und können zu dieser Zeit noch keinesfalls als veraltet gegolten haben.
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Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Titel
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Autor
Mario Schwarz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78866-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
498
Schlagwörter
Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Kunst und Kultur
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