Seite - 241 - in Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Bild der Seite - 241 -
Text der Seite - 241 -
241Die
Bautätigkeit unter Herzog Friedrich II. dem Streitbaren
te ein Gegengewicht gegen die mächtigen , zum Aufruhr geneigten lombardischen
Städte bilden. Der Kaiser entwickelte nun den Plan , Gertrud von Babenberg , ei-
ne Nichte des Herzogs von Österreich , zu ehelichen. Da Herzog Friedrich der
Streitbare in seinen drei Ehen kinderlos geblieben war , konnte der Kaiser darauf
hoffen , den babenbergischen Besitz auf dem Erbwege für sein Haus zu gewinnen.
Um Friedrich den Streitbaren für diesen Plan zu gewinnen , bot der Kaiser ihm ei-
ne Rangerhöhung von Österreich zum Königtum innerhalb des Reichsverbandes
an , vergleichbar mit der Rangstellung Böhmens. Im April 1245 wurde dem Herzog
auf einem Hoffest in Wien bereits ein königlicher Ring als Insignie überreicht , mit
dem der Babenberger auf dem darauffolgenden Hoftag in Verona erschien830. In
der Briefsammlung des Petrus de Vinea sind die bereits ausgehandelten Bestim-
mungen des zu errichtenden Erbkönigtums aufgezeichnet. Die Verwirklichung
dieses Planes wurde zunächst wahrscheinlich dadurch verhindert , dass Gertrud
von Babenberg zögerte , den vom Konzil von Lyon verurteilten und vom Papst
gebannten Kaiser zu heiraten , und scheiterte schließlich durch den unerwarteten
Tod Friedrichs des Streitbaren am 15. Juni 1246.
Die Klosterbauten
So wie das politische Bild der Regierung Friedrichs des Streitbaren stellt sich auch
die Entwicklung des architektonischen Schaffens seiner Herrschaftszeit als unein-
heitlich dar. Einerseits wurden Aktivitäten fortgesetzt , die der von Herzog Leo-
pold VI. eingeleiteten Richtung folgten. Hier galt es etwa , den Bau der von Le-
opold VI. gegründeten Zisterzienserstiftskirche Lilienfeld fortzusetzen. Obwohl
Herzog Leopold seinem Willen gemäß 1230 im Chor dieser Kirche beigesetzt wor-
den war , standen zu dieser Zeit erst Teile der Anlage , nämlich das Querhaus , der
Hochchor und der Chorumgang. Vom anschließenden Langhaus waren bis dahin
erst die Umfassungsmauern und das östlichste hallenförmige Joch errichtet. Fertig-
gestellt war auch bereits der Kreuzgang mit den anliegenden Klostergebäuden des
Kapitelsaals im Osten und des Cellariums im Westen. Die feierliche Einweihung
dieser Bauteile durch Erzbischof Eberhard II. von Salzburg am 30. November 1230
erfolgte im Beisein der Bischöfe von Passau und Chiemsee sowie Herzog Friedrichs
des Streitbaren und seiner Mutter Theodora , der Witwe des Klostergründers.
Heiligenkreuz – Kapitelsaal als Familiengrablege , Kreuzgang
Trotz dieses feierlichen Bekenntnisses zur Stiftung seines Vaters ließ Herzog Fried-
rich den Ausbau von Lilienfeld nun weitgehend ruhen und wandte sich verstärkt
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur