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Bautätigkeit unter Herzog Friedrich II. dem Streitbaren
terkirche hinab , die es den Mönchen ermöglichte , zum Stundengebet am frühen
Morgen direkt vom Schlafsaal in die Kirche zu gelangen. 1879 wurde von Archi-
tekt Wilhelm Neumann anstelle dieser mittelalterlichen Stiege eine neue Treppen-
anlage errichtet. In der Polygonalform der Pfeiler und in der Kämpfer- und Konso-
lenbildung besitzt die Halle des Dormitoriums enge Übereinstimmungen mit den
Bauformen des Kapitelsaals.
Gemeinsam mit den neuen Klostergebäuden , die an der Südseite auch noch
das Calefactorium und das Refektorium mit einschlossen , wurde – so wie in Lilien-
feld – der Bau einer prachtvollen Kreuzganganlage unternommen839. Diese um-
fasst in ost-westlicher Richtung neun , in nord-südlicher Richtung acht annähernd
quadratische Gewölbejoche , sodass sich zum Kreuzganghof 7 × 6 Arkadenjoche
öffnen ( Abb. 121 ). Die Kreuzrippengewölbe der Gangflügel ruhen an der Fenster-
seite auf gebündelten Diensten , wandseitig auf Konsolen. Die Gewölberippen be-
sitzen aus breiten Gurten herausgearbeitete , beidseitig gekehlte Stäbe , die entweder
gerundete , angespitzte oder abgeflachte Vorderseiten aufweisen. Die Anwölb
linge
sind im Tas de Charge System gearbeitet. Die gewölbetragenden Konsolen an den
Gangwänden besitzen polygonale Kämpferplatten. Die Kämpfergesimse der fens-
terseitigen Dienstbündel sind aus abwechselnd gerade und schräg gestellten recht-
eckigen Kapitelldeckplatten gebildet. Akzentuiert ausgeschieden sind die Eckjo-
che der Anlage : Sie besitzen Scheidbogen mit verdoppelten Rippenprofilen.
Zum Kreuzganghof sind die Seitenwände der Kreuzganganlage in mehrteilig
gegliederte Fensterflächen aufgelöst. Die Joche der Fensterseiten sind außen durch
Strebepfeiler getrennt. In jedem Joch befindet sich an der Festerwand ein über-
greifender Spitzbogen , dem in unterschiedlicher Weise Säulenarkaturen eingefügt
sind. Dabei unterscheidet man additive Aneinanderreihungen von Fensteröffnun-
gen wie am Nordflügel und divisiv gegliederte Fensterwände ; man findet paar-
weise angeordnete Fenstersäulen sowie einzelstehende oder in Quincunx Form ge-
bündelte Arkadensäulen. Im Ost- , Süd- und Westflügel stehen die fensterseitigen
Dienstbündel der Kreuzganggewölbe auf Postamenten. Die Arkadensäulchen an
allen Fensterwänden ruhen auf gleicher Höhe auf den Parapetmauern.
Im Nordflügel ( Abb.
124 , 125 ) sind sämtliche Fensterjoche durch vier Rundbo-
genarkaden mit Zwillingssäulchen gegliedert. In den Bogenfeldern befinden sich
jeweils drei Rundfenster auf gleicher Höhe , von denen das mittlere etwas größer
ist. Da der Nordflügel die Funktion des Lektionsgangs für liturgische Lesungen
hatte , gab es hier eine durchgehende Sitzbank an der Fensterseite , und die Öff-
nungen zum Kreuzganghof waren mit Grisaillefenstern verglast.
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur