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Die Bautätigkeit unter Herzog Friedrich II. dem
Streitbaren268
erreichte878. Da Herzog Friedrich II. von
Österreich selbst in den Abwehrkampf
gegen die Mongolen an der ungarischen
Grenze eingriff und auch der ungari-
sche König Bela IV. samt seinem Hof-
staat nach Österreich geflüchtet war879 ,
ist die Annahme wahrscheinlich , dass
die Bauleute von Ják ebenfalls auf der
Flucht nach Österreich gekommen wa-
ren und sogleich in die Dienste des Ba-
benbergerherzogs traten880. Friedrich der
Streitbare ließ die Burg Starhemberg so
ausstatten , dass sie nicht nur ein sicherer
Rückzugsort , sondern auch eine reprä-
sentative Residenzwar. Wie zahlreiche ,
auf Starhemberg ausgestellte Urkunden
aus den Jahren 1240 bis 1244 beweisen ,
weilte der Herzog in diesen Jahren häufig auf dieser Burg und empfing dort wich-
tige Besucher881. Vermutlich ist auch damals … der „Schatz“ des Herzogs mit Archiv
und Kleinodien dorthin gebracht worden882.
Zu den Kostbarkeiten , die der Herzog besaß , gehörte eine particola corone do
minice – eine Partikel der Dornenkrone Christi , die ihm König Ludwig IX. von
Frankreich zum Geschenk gemacht hatte883. Um den Preis von 135.000 Livres
hatte König Ludwig IX. im Jahre 1237 die von den „Lateinischen Kaisern“ von
Konstantinopel an Venedig verpfändete Reliquie der Dornenkrone Christi erwor-
ben. Nach mittelalterlicher christlicher Vorstellung verkörperte die Reliquie der
Dornenkrone jenes leidende und demütige Königtum , das der mitfühlenden Fröm
migkeit des 13. Jahrhunderts zu Christusbild geworden ist , ein Symbol , das die Ima
gination auf das Haupt des Königs projiziert , das Bild Jesu auf Erden , Bild der Lei
densherrschaft und des durch Schmerzen errungenen Sieges über den Tod884. Nach
der Überführung der kostbaren Reliquie in einem versiegelten Schrein unter be-
sonderen Vorsichtsmaßnahmen wurde das unschätzbare Juwel885 am 11. August
1239 vom König selbst in Gegenwart der Königinmutter Blanca von Kastilien und
Abb.
141 : Rekonstruktion der Annenkapelle in
der Burg Starhemberg , integriert in die Baureste
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur