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Die Bautätigkeit unter Herzog Friedrich II. dem
Streitbaren282
Andachtsort , die die Fronleichnamsprozession und die Passionsspiele zu St. Ste-
phan organisierte. Eigene Altäre sind aber auch für die Krypta überliefert , die in
den Passauer Bischofsmatrikeln 1429 eigens genannt wird942. Ein Beleg von 1307
besagt , dass die Krypta den Heiligen Rupert , Virgil , Ulrich und den Vier Mari
enfesten geweiht wurde. Der Virgilaltar wird 1340 genannt , 1376 wird ein Altar
der hl. Helena erwähnt943. Seit der Wiederentdeckung des Untergeschosses der
Maria Magdalena Kapelle wird dieses allgemein als Virgilkapelle bezeichnet.
Marlene Zykan , die die Detailformen des unterirdischen Nischenraums ein-
gehend analysierte , hat den Bau des Nischenraums aufgrund der Profile der ab-
gefasten Bandrippen , des Kämpferprofils und der technischen Ausführung der
Gewölbekappen , die über Schalbrettern in Gussmauerwerk ausgeführt sind , um
die Mitte , wenn nicht noch ins zweite Viertel des 13. Jahrhunderts944 datiert. Zu den
von Marlene Zykan angesprochenen Vergleichsbeispielen , nämlich der Liebfrau-
enkirche in Wiener Neustadt und dem Rittersaal der Burg Lockenhaus , wären
noch das Dormitorium im Kloster Heiligenkreuz ( geweiht 1240 ) und das Cellari
um im Kloster Lilienfeld ( vollendet 1230 ) hinzuzufügen. Auch auf Burg Locken-
haus besteht ein unterirdischer Nischenraum mit symmetrischen Apsiden an den
beiden Schmalseiten , der so wie der Nischenraum auf dem Wiener Stephansplatz
keinen niveaugleichen Zugang , sondern nur einen Einstieg durch eine Öffnung
im Gewölbe hatte ; dieser Raum diente wahrscheinlich als unterirdische Zister-
ne945. Krypten mit Aneinanderreihungen von Halbkreisnischen sind am Kaiser-
dom in Speyer und in St. Emmeram in Regensburg ( Wolfgangkrypta ) aus dem
11. Jahrhundert erhalten946 ; in diese Zeit weisen auch vergleichbare Grundriss-
lösungen an der Pfalzkapelle St. Ulrich in
Goslar oder an der Burgkapelle S. Maria in
Paderna ( Lombardei )947. Denkbar erschei-
nen auch Einflüsse aus der byzantinischen
Architektur , wie die Kirche von Peristera
bei Saloniki948 , der Lausos-Palast in Kons-
tantinopel oder der Märtyrerkapelle an der
Nordseite der Basilica Euphrasiana in Poreč
( Parenzo )949 erkennen lassen.
Abb.
147 : Grundriss der Maria Magdalena Kapelle
und der „Virgilkapelle“ auf dem Stephansplatz in Wi
en , mit Baualtersangaben
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur