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Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
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Das Wiener Bistumsprojekt und Jerusalem-Bezüge 295 reliefierte Weinranken empor und bilden vielfache Verzweigungen. Die Wein- ranken mit zahlreichen ansitzenden Trauben greifen über den Dreipassbogen hinweg zum Rand des Tympanons und scheinen auch aus den Enden der seit- lichen Kreuzarme hervorzusprießen. Bei genauer Betrachtung stellt man jedoch fest , dass die Ranken von Säulen und Kreuz konsequent getrennt sind , sodass der Weinstock tatsächlich nicht aus dem Kreuz oder aus der Säule herauswächst. Wie die Baugeschichte der Wiener Michaelerkirche zeigt , muss der um 1220 unter Herzog Leopold VI. begonnene Bau circa 1252 fertiggestellt gewesen sein. Bald nach Beginn der ersten spätromanisch-frühgotischen Bauphase um 1220 war eine Änderung im Wölbungskonzept erfolgt973 , danach wurde an dem Bau zügig weitergearbeitet , wobei sich eine kontinuierliche Anpassung der Kapitell- plastik an die aktuelle Entwicklung erkennen lässt974. Besonders signifikant ist dabei die schrittweise Annäherung an einen Naturalismus in der vegetabilischen Bauplastik. Die Weinranken des Tympanons stehen dem noch etwas verhaltenen naturhaften Blattstil der französischen Bauskulptur von Chartres ( um 1210–1220 ) und Reims ( um 1220 )975 nahe , zeigen jedoch noch nicht den voll ausgeprägten Naturalismus der Reimser Bauplastik um 1230. Die französischen Einflüsse schei- nen aber nicht unmittelbar übernommen worden zu sein , wie beim Bau der Ca- pella Speciosa , sondern auf einem Umweg : Es bestehen nämlich enge Überein- stimmungen des Tympanons der Michaelerkirche mit Blattranken am Westportal der Prämonstratenserkirche von Šáhy / Ipolyság , heute in der Slowakei , früher in Oberungarn , das als Werk französisch geschulter Baukünstler angesehen wird976. Auch das noch in verborgenen Resten erhaltene ehemalige große Westportal der Michaelerkirche ( Abb.  157 ) , welches von Alois Kieslinger untersucht wurde977 , besitzt mit einem Zierstreifen charakteristischer vierblättriger Blüten ein Ge- staltungsmotiv , das mit dem Portal von Šáhy vollkommen übereinstimmt. Das Westportal der Michaelerkirche war ungewöhnlich reich gegliedert. Wie sich an den spitzbogigen Archivolten ablesen lässt , war das Torgewände trichterförmig abgetreppt. Im Bogenbereich sind acht Stufen festzustellen , die aus einer Abfolge von Vierkantstab , Dreiviertelrundstab , unterschnittenem Vierkantstab , Dreivier- telrundstab , ausgekehlter und diamantierter Stufe , halbiertem Achteckstab und Birnstab mit Diamantband bestehen. Die ältesten , direkt auf dem Stein aufge- tragenen Farbreste zeigen , dass das Portalgewände in einer Abfolge von Rot und Gelb gefasst war , wobei in der gefleckten Ausführung der Eindruck von Rotmar- mor vorgetäuscht werden sollte978 , worin ein besonderer repräsentativer Anspruch dieses als Hofpfarrkirche gewidmeten Baus erkennbar ist.
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Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Titel
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Autor
Mario Schwarz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78866-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
498
Schlagwörter
Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Kunst und Kultur
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