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Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
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Das Wiener Bistumsprojekt und Jerusalem-Bezüge 297 Die Motivwahl der crux gemmata besaß zu dieser Zeit höchste Aktualität : Das im Kirchenkomplex auf dem Berg Golgotha aufgestellte Memorialkreuz , von dem bereits um 400 die Pilgerin Aetheria berichtet983 , war schon seit früh- christlicher Zeit als Juwelen- oder Gemmenkreuz – und damit als Triumphzeichen für die Auferstehung – ein wichtiges Symbol für das Heilige Grab in Jerusalem. Das Ende des 4. Jahrhunderts entstandene Apsismosaik der Kirche S. Pudenziana in Rom zeigt diese monumentale crux gemmata , die über der Figurengruppe Christi und der Apostel und den Dächern der Stadt Jerusalem aufragt984. Um 440 ließ Kaiser Theodosius II. ein neues monumen- tales Juwelenkreuz auf Golgotha errichten , das einen sehr bedeutenden Einfluss auf die weitere Geschichte der Kreuzdarstellungen hatte985. Die Verbreitung des Motivs der crux gemmata als Jerusalemsymbol erfolgte schon in frühchristlicher Zeit durch Devotionalien wie die reliefierten Ölfläschchen aus Palästina986. Auch noch nach den zahlreichen Zerstörungen der Heiligtümer auf Golgotha in den Jahren 614 , 637 , 969 , 1009 und 1147 bestand zur Zeit der abend- ländischen Kreuzfahrer in der Grabeskirche eine monumentale crux gemmata , und zwar in der im nordseitigen Untergeschoss gelegenen Adamskapelle987 , die auch als Grablege der Lateinischen Könige von Jerusalem diente988. In den vierziger-Jahren des 13. Jahrhunderts , als der Kreuzzugsgedanke vor allem durch König Ludwig IX. von Frankreich von Neuem propagiert wurde , musste eine Darstellung der crux gemmata an einem Kirchenportal zweifellos als deutli- cher Jerusalem-Bezug verstanden werden. Wenn es sich dabei – wie in St. Michael in Wien – noch dazu um die Hofpfarrkirche der Babenberger handelte , war die- ses ikonografische Zitat klar als Bekenntnis des Landesfürsten zur Kreuzzugidee aufzufassen. Den Anlass dazu konnten die jüngsten Ereignisse in Palästina gebo- ten haben. Im Juli 1244 – kurz nachdem noch das Lateinische Königtum Jerusalem die Rückgabe des Tempelberges erreicht hatte – eroberten Truppen der türkischen Chowaresmier die Stadt , brandschatzten die Grabeskirche und zerstörten die Grä- ber der lateinischen Könige. Danach nahm der ägyptische Sultan as-Sâlih ’Ajjûb Jerusalem in Besitz , das für die Kreuzfahrer von nun an für immer verloren war989. Ikonografisch interessant ist die gemeinsame Darstellung der crux gemmata mit der Triumphsäule und dem eucharistischen Symbol des Weinstocks. Die iko- Abb.  159 : Grundriss der Michaelerkir- che in Wien von 1633
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Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Titel
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Autor
Mario Schwarz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78866-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
498
Schlagwörter
Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Kunst und Kultur
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