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Die Bautätigkeit unter Ottokar II.
Přemysl308
den letzten Babenbergerherzog Friedrich II. den
Streitbaren im Kapitelsaal1035. Ottokar gewähr-
te dem Konvent 1254 und auch noch nach seiner
im Jahre 1261 erfolgten Scheidung von Margarete
von Babenberg weitere Zuwendungen. 1260 soll
der Zustand der Stiftskirche aufgrund eines Erd-
bebens lebensgefährlich gewesen sein , weshalb
Ottokar für die Reparaturarbeiten 1262 weite-
res Geld spendete1036. Ottokar bezog Heiligen-
kreuz in eigene kirchenpolitische Pläne ein , so
als er 1263 das Kloster Goldenkron in Südböh-
men stiftete , das er mit Mönchen aus Heiligen-
kreuz besiedeln ließ. Im Kloster Goldenkron
entstand eine zweigeschossige Reliquienkapel-
le1037 in der Art der Annenkapelle Friedrichs
des Streitbaren auf Burg Starhemberg1038 , allem
Anschein nach zur Aufbewahrung jener Partikel
der Dornenkrone Christi , die König Ottokar II.
Přemysl – wie schon vor ihm Herzog Friedrich II.
von Österreich – persönlich vom französischen
König Ludwig IX. geschenkt bekommen hatte.
Zu Ottokars engsten Beratern in Österreich
gehörten zwei führende Persönlichkeiten , der Mönch Gutolf von Heiligenkreuz ,
Theologe , Historiker und Rechtsgelehrter , sowie Paltram vor dem Freithof ( auch
Paltram von Wien genannt ) , Wiener Erbbürger , Herr auf Burg Karlstein , Land-
schreiber und Finanzmann Ottokars. Beide bilden den Schlüssel zum Verständnis
weiterer Forschungen , die die Baugeschichte von Heiligenkreuz betreffen. Wie
der Stiftshistoriker von Heiligenkreuz P. Hermann Watzl nachweisen konnte ,
stiftete der Gefolgsmann Ottokars , Paltram , für sich und seine Familie eine Gruft
in der damals in Bau befindlichen Kapelle der Infirmarie ( des Mönchsspitals ) des
Klosters , der Bernardikapelle1039. Diese einschiffige Kapelle ( Abb. 164 ) besitzt
sehr ähnlichen Grundriss wie der Chor der Wiener Minoritenkirche , nämlich
zwei quadratische Joche mit sechsteiligen Gewölben und ein Apsispolygon mit
Fünfachtelschluss. Die Maßwerke sind als unmittelbare Weiterentwicklung oder
Variationsform jener des Marchegger Ungartors , des Wiener Minoritenchors und
des Treppentürmchens der Liebfrauenkirche von Wiener Neustadt anzusprechen.
Abb.
164 : „Bernardikapelle“ im Zisterzienserstift
Heiligenkreuz , Innenansicht
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur