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Die Bautätigkeit unter Ottokar II.
Přemysl312
riert werden musste1053. Das Portal wurde , wie die Gra-
bungen zeigten , ein Stück versetzt von einem früheren
Westeingang positioniert. Das rundbogige Trichterpor-
tal , das in einen flachen Vorbau eingetieft ist , besitzt
im senkrechten Gewändebereich vier Abstufungen mit
beiderseits je vier Portalsäulen , von denen die inneren
drei Säulen monolithische Schäfte aufweisen , während
die jeweils äußersten Säulen im Steinverband mit den
Pfosten aufgemauert sind. Die Portalsäulen stehen auf
Postamenten , ihre Basen sind flach und unterschnitten
gearbeitet , die Kapitelle zeigen knollige Blattknospen.
Über den Kapitellen verläuft , den Gewändestufen fol-
gend , ein kräftig profiliertes Kämpfergesims , das über
der rechteckigen Türöffnung in Konsolen fortgesetzt
ist , die das Tympanon tragen. Dieses weist eine rundum
laufende Inschrift auf : + PORTA. MARIA POLI. MES-
SYE. P VIA SOLIS + / / + NOBIS. CLAVE. PRECVM.
RESERA. BONA. CELICA. TECVM + / / + STELLA
PARENS SOLIS. REGE. CELLAM. NVMINE. PRO-
LIS
+1054. Die fünffach abgestuften Archivolten des Por-
tals sind unterschiedlich profiliert. Die innerste Stufe
ist aus Kehle , Wulst und Diamantband aufgebaut , zweifach vertreten sind von
Rundstäben gesäumte Kehlungen , einmal tritt die Inversion dieses Motivs auf.
Die äußerste Archivolte weist ein à jour gearbeitetes Rankenwerk zwischen zwei
Rundstäben auf und ist überdies noch mit einem Diamantband besetzt. Sämtli-
che Archivolten sind zum Kämpfer hin mit Hornabläufen beendet. Die Stufe mit
dem Rankenrelief zeigt in diesem Bereich kleine Tierköpfe und dekorative Blätter.
Einzelne Gestaltungselemente des Westportals von Kleinmariazell weisen auf
die vorausgegangene Entwicklungsphase der Baukunst unter den Babenbergern
hin : Die Auskehlungen der Archivoltenprofile zeigen enge Übereinstimmungen
mit dem Portal des Kapitelsaals von Heiligenkreuz und zum Südportal der Do-
minikanerkirche in Krems. Renate Wagner-Rieger hat das durchbrochene Ran-
kenwerk an der äußersten Archivolte mit französischen Portaldekorationen aus
der Zeit König Ludwigs IX. verglichen1055 , Friedrich Dahm wies auf stilistische
Zusammenhänge mit der skulptierten Randleiste der Tumba Friedrichs des Streit-
baren im Kapitelsaal von Heiligenkreuz hin1056 , die wie das ganze Werk einen
Abb.
167 : Westportal der ehem. Stiftskir
che Kleinmariazell , Plandarstellung
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur