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Der Städtebau unter Ottokar II. Přemysl 317
Fenstern der Burgkapelle Klingenberg ist. In den Durchfahrtshallen des Ungar
tors und Wienertors waren Sedilien ausgebildet , deren bekrönende Blendarkaden
erhalten geblieben sind. Sie besitzen enge Übereinstimmungen mit Blendarka-
den in Klingenberg und Pisek.
Innerhalb der Stadtmauer war die Bebauung mit einem Ring von Randpar-
zellen und , durch eine Ringstraße davon getrennten , inneren Parzellenblöcken
vorgesehen1069. Durch das frühe Ende der Přemyslidenherrschaft in Österreich
( 1276 / 1278 ) unterblieb der Ausbau der Parzellierung im weitläufigen Gebiet in-
nerhalb der Stadtmauern von Marchegg , das mit 55 Hektar noch größer war als
die Babenbergergründung Wiener Neustadt ( 42 Hektar ).
Zugleich mit der Stadtgründung errichtete Ottokar in der Nordwestecke am
Weidenbach eine Stadtburg. Bestandspläne von 1634 , die Patrick Schicht wie-
derentdeckte , zeigen , dass die Burg von Marchegg die Form eines Kastells mit
trapezförmigem Grundriss und vortretenden Rundtürmen an drei Ecken hat-
te. Mauerzüge der Kurtinen sind noch heute an drei Seiten stellenweise bis zur
Höhe des mittelalterlichen Wehrgangs in dem nach 1733 weitgehend erneuer-
ten Schloss erhalten1070. Dieser Befund zeigt , dass Ottokar II. Přemysl nicht
dem Vorbild der erst kurz zuvor unter den Babenbergern errichteten Kastellbur-
gen wie Bruck an der Leitha , Ebreichsdorf , Pottendorf , Ebenfurth und Wiener
Neustadt folgte , sondern die von Frankreich beeinflusste Form des Beringes mit
Rundtürmen bevorzugte , die in Böhmen vor allem an königlichen Burgen ange-
wandt wurde1071.
Auf dem großen Hauptplatz im Nordwesten ließ Ottokar die Stadtpfarrkir-
che errichten , deren Patrozinium St. Margaretha sowohl an die Namenspatro-
nin seiner 1266 verstorbenen ersten Gemahlin Margarete von Babenberg als auch
an seinen Sieg in der Schlacht von Groissenbrunn am Margaretentag des Jah-
res 1260 erinnerte. Ottokar plante die Errichtung eines großen Kirchenbaus , für
den er noch 1275 beträchtliche Mittel bereitstellen ließ. Vorgesehen war anschei-
nend ein dreischiffiges Langhaus mit einem polygonal geschlossenen Langchor
( Abb. 171 ). Ausgeführt wurde zunächst offenbar nur der dreijochige Chor nach
Art der Iglauer Minoritenkirche ( erbaut 1240–1257 ). Damit wurde diese später so
weit verbreitete Bauform erstmals in Österreich in die Pfarrkirchenarchitektur
übertragen. Wie Georadarmessungen ergeben haben , wurde das Langhaus nur
ansatzweise ausgeführt1072. Die Seitenschiffe , die mit polygonalen Ostapsiden
geplant waren , blieben auf die Größe vonseitenkapellen beschränkt , die das Mit-
telschiff nur in seinem Ostabschnitt flankierten ; Dieses setzte sich nach Wes-
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur