Seite - 346 - in Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Bild der Seite - 346 -
Text der Seite - 346 -
Die Bautätigkeit unter Ottokar II.
Přemysl346
kirche sind die Gewölbe der sogenannten Läuthäuser , der Erdgeschossräume der
Westtürme. Im südlichen Läuthaus wurden die Bündelpfeiler des 13. Jahrhunderts
1937 , 1941 und 1948 freigelegt1170. Auch dabei zeigte sich wieder , dass die Rip-
pen der Emporenunterwölbung an bereits vorher bestehendes Mauerwerk ange-
fügt sind. Die Turmpfeiler des frühromanischen Baubestandes sind offenbar im
Kern der heutigen Stützen noch erhalten ; ihre quadratische Grundform wurde
durch vielfältig abgestufte Vorlagen ummantelt. Im südlichen Läuthaus fällt der
Gewölbestich zum Schlussstein hin gerade ab , im nördlichen Läuthaus ( Abb.
198 )
steigen die Scheitel der Gewölbekappen zur Raummitte kuppelig an. An den Bün-
delpfeilern der Läuthäuser ist das gleiche Kämpferprofil festzustellen wie am Süd-
portal der Kirche. Der abgetreppte Sockel der Turmpfeiler und der Pfeilervor-
lagen im südlichen Läuthaus entspricht den Sockeln am Nord- und Südportal.
Wie Stilvergleiche mit zahlreichen Werken der österreichischen Baukunst , die um
die Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden sind , zeigen , wurden die Gewölbe der
Läuthäuser und damit die Westempore im Zuge der Arbeiten bald nach Regie-
rungsantritt von Abt Berthold II. errichtet.
Noch ein weiteres Bauelement der Klosterkirche dürfte unter Abt Berthold ge-
schaffen worden sein. Es ist dies das Westportal , dessen südliches Gewände im
Jahre 1948 vorübergehend freigelegt , jedoch danach wieder zugemauert wurde.
Aus dem leider unvollständigen Befund kann auf ein Rundbogenportal mit rei-
chem Stufengewände geschlossen werden , das an beiden Seiten jeweils acht zwi-
schen Pfosten eingestellte Portalsäulen aufgewiesen hat. P. Mayerhofer fand bei
den Untersuchungen1171 ein Kämpfergesims wie am Südportal oder in den Läut
häusern. Auch die Kapitelle , Basen und Sockel zeigten Übereinstimmungen mit
dem Südportal. Auffallend ist , dass die Portalsäulen von einem durchleiernden
Wirtel unterbrochen waren. In seiner großen Breite , in der Gliederung mit zahl-
reichen schlanken Säulen und in deren Unterteilung durch Wirtel erscheint das
Tor vielfach verwandt mit dem Westportal der Klosterkirche Lilienfeld , das in
deren letzter Ausbauphase vor der Weihe von 1263 entstanden ist.
Die letzten urkundlichen Nachrichten , die mit dem Baufortschritt unter Abt
Berthold II. in Zusammenhang zu bringen sind , weisen in die siebziger-Jahre des
13. Jahrhunderts. Es ist überliefert , dass Bischof Petrus von Passau ( reg. 1265 bis
1280 ) drei Altäre der Kirche , darunter auch den Hochaltar , weihte1172. Eine alte
Klostertradition kann die Erklärung liefern , weshalb der Umbau der Klosterkir-
che unter Abt Berthold II. so forciert vorangetrieben und auch fast vollendet wur-
de : In jedem Jahrhundert wurde vom Konvent zur Feier des Zentenariums der
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur