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383Die
Bautätigkeit unter Rudolf I. und Albrecht I. von Habsburg
Mit Rudolf I. und Albrecht I. von Habsburg waren neue Männer an die Macht
gekommen , die nun stolz als Bauherren und Stifter auftraten. Einer der bedeu-
tendsten war Abt Heinrich II. von Admont ( reg. 1275–1297 ). Wegen seiner wirt-
schaftlichen Tüchtigkeit und seiner absoluten Loyalität zum neuen Herrscherhaus
wurde er 1278 vom König zum Landschreiber , dem höchsten Finanzbeamten des
Herzogtums Steiermark , und 1279 zum Landeshauptmann ernannt. Abt Heinrich
entwickelte eine rege Bautätigkeit , im Zuge derer nicht nur Befestigungsanlagen
zum Schutz des Stifts , sondern auch 1276–1286 ein Chorneubau der Klosterkir-
che Admont entstanden. Diese Bauten sind allerdings nicht mehr erhalten , da
die mittelalterliche Kirche durch einen Brand von 1865 vernichtet und durch ei-
nen Neubau des Historismus ersetzt wurde. Durch Zwangsmaßnahmen im Auf-
trag des Herzogs machte sich der Abt Heinrich als steirischer Landeshauptmann
schließlich so unbeliebt , dass er 1297 einem Mordanschlag zum Opfer fiel.
St. Michael , Walpurgiskapelle
Ein Zeugnis der Bautätigkeit Abt Heinrichs von Admont ist in St. Michael in
der Obersteiermark erhalten , es ist dies der Chorneubau der Walpurgiskapelle ,
die seit 1188 dem Stift Admont gehörte. Die Gewölbe des betont vertikalisierten
Chors mit Polygonalapsis besitzen Birnstabrippen und reich skulptierte Kapitelle
und Schlusssteine. Die bauplastischen Details und die großen mit Glasmalerei-
en ausgestatteten Maßwerkfenster zeigen enge Übereinstimmungen mit der Gra-
zer Leechkirche des Deutschen Or-
dens1269. Die Fertigstellung des Baus
ist durch einen erhaltenen Ablassbrief
von 1295 und den Tod des Stifters
1297 genau einzugrenzen. Im Bildpro-
gramm der Glasfenster ist neben dem
Segnenden Christus und der Mutter-
gottes sowie der Szene der Klugen und
Törichten Jungfrauen auch Abt Hein-
rich von Admont als Stifter mitten
unter den Heiligen und diesen völlig
ebenbürtig dargestellt. Er hält ebenso
wie die Kirchenpatronin St. Walpurgis
ein Schriftband , das auf die Stiftung
hinweist1270.
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Titel
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Autor
- Mario Schwarz
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur