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Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
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Die Bautätigkeit unter Rudolf I. und Albrecht I. von Habsburg388 In den Baudetails findet man unter den Neuerungen den Rippendreistrahl als In strument zu variierten Gewölbebildungen , weiters die Ausbildung von en délit ( monolithisch ) gearbeiteten Diensten , Quincunx­ Gruppierungen von Arkaden- säulen sowie Stützen mit Tas­ de­ charge­ Kämpfern zur statischen Stabilisierung der Gewölberippenanläufe. Rasch passte sich die Kapitellplastik führenden franzö- sischen Vorbildern an , wie den vegetabilisch individualisierten Knospenkapitel- len , wobei es zweifellos Steinmetzen aus Frankreich waren , die zunächst selbst in Österreich tätig wurden und deren Werke erst in der Folge lokale Nachahmung fanden. Beachtenswert ist aber , dass die von der aktuellsten französischen Gotik geprägten Meisterwerke keineswegs bloße Kopien von vorbildlich empfundenen Bauten in Frankreich waren , sondern spezifischen Gestaltungswünschen der Auf- traggeber Rechnung trugen : Die Westempore der Capella Speciosa kann als ein Indiz solcher persönlicher Einflussnahme des Bauherrn angesehen werden. Das Motiv der Westempore war in der österreichischen Bautradition in Burgkapellen und Patronatskirchen allgemein verankert , findet sich aber nirgends an französi- schen Palastkapellen oder an den Chorkapellen der Kathedralen. Ebenso spezi- fisch begründet erscheint der Einsatz von Rotmarmorsäulen an den Kreuzgängen von Lilienfeld und Heiligenkreuz. Mit dieser Gestaltungsform erkennt man ein Aufgreifen des herrscherlichen Repräsentationsanspruchs , der im roten Bauma- terial – so wie im Porphyr der antiken und byzantinischen Tradition – ein wirk- mächtiges Herrschersymbol erkannte. Die Befundlage zeigt die Tatsache , dass die gleichzeitige Bautätigkeit sozial tie- fer stehender Schichten von diesen aktuellen Einflüssen ausgegrenzt war. Einzig die im Lande mächtigsten Gefolgsleute der Babenberger , die Kuenringer , kamen in den Genuss , die hoch spezialisierten französischen Meister der Kreuzgänge für ihr Bauvorhabern in Zwettl heranziehen zu können. Man könnte meinen , dass der Herzog , der ihnen diese Baukünstler vorübergehend überließ , am Bau des Kreuzgangs von Zwettl die tatsächlichen Fähigkeiten dieser Meister erprobt sehen wollte , ehe er sie in Lilienfeld einsetzte. Im kirchenpolitischen Machtkampf zwischen Herzog Leopold VI. und dem Bischof von Passau kam es zu einem ereignisreichen Wettstreit im Sakralbau , in welchem das Mittel spezifischer Architekturformen als hauptsächliches Werkzeug der Repräsentation eingesetzt wurde. Bischof Gebhard von Passau erkannte , dass die von seinem Vorgänger Manegold verfolgte Linie eines demonstrativen Tradi- tionalismus der architektonischen Formensprache in diesem Machtkampf nicht zielführend war , und entwickelte eine erfolgreiche Vorgangsweise , die bestehen-
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Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Titel
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Autor
Mario Schwarz
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78866-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
498
Schlagwörter
Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Kunst und Kultur
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