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NeuesSpiel, neuesGlück? 157
RegulatorischeExperimentierräumekönnten–undsollten–umfassend
sein.NahezujedesGesetzhatdiedafürpassendenKlauseln,dieman–unter
BeachtungdesAllgemeininteresses– für einenbefristetenZeitraumziehen
kann.Vorstellbar istdabeivieles:AnIdeen,technischeundsozialeInnovatio-
nenzukombinierenundunterRealbedingungenzutesten,mangeltesnicht.
In jedemFall sindbestehendeRegeln tangiert,müssenteilweiseundtempo-
räraußerKraftgesetztwerden.
HinterderIdeeregulatorischerExperimentierräumestehtdieAnnahme,
dasssichdasNarrativvomprivatenAutoüberlebthat.Jedenfallshateskeine
visionäre Kraftmehr. Als alltagsstrukturierendeRealität ist das private Au-
to jedochnicht soohneweiteres »umdeutbar«.WeitgehendKonsensbesteht
beimAntrieb: dasAutomobilwirdzukünftig elektrisch fahren,derVerbren-
nungsmotor läuft aus.Auf der anderenSeite ist aber die Frage bisher nicht
beantwortet,wiesicheine intelligenteVerwendungdesAutosundseineVer-
bindungmit anderenVerkehrsmitteln zueiner attraktivenVision, zueinem
neuenNarrativ entwickeln kann. Immerhin lassen sich einige Elemente ei-
nes attraktivenkünftigenVerkehrs inderStadt beschreiben, siewerdenzu-
sammengehaltenvonderLeitideeeinerStadtmithoherLebensqualität,einer
Stadt, indersichdieBewohner*innengerneaufhalten.
Narrative sind eng andominante gesellschaftliche Trends geknüpft. Als
einMegatrendmodernerGesellschaftenlässtsichdieIndividualisierungund
Pluralisierung vonLebensentwürfennicht ignorieren. ImGegenteil: dieDi-
gitalisierungbietetganzneueOptioneneinesflexiblenZuschnittsvonindivi-
dualisiertenAlltagsabläufen.MitdemSmartphoneunddemmobilenRechner
lassensichmehrundmehrDingeganzindividuell raum-undauchzeitunab-
hängigerledigen.DiestrukturierendenoderebenauchfesselndenÖffnungs-
zeitenvonGeschäftenundVerwaltungenlassensichaufdieseWeisegenauso
wiediegesamteMediennutzug»privatisieren«.Mankannselbstbestimmen,
wannmanwoundwie etwasmacht.Dasmag nicht für alle attraktiv sein,
aber es scheint einenichtmehr rückholbareEntwicklungder fortschreiten-
denGlobalisierungzusein.Esgibt immernochdieSehnsuchtnachGemein-
schaft,nachkollektivenErlebnissen,diesewerdengesuchtundauchgefun-
den,aberbestimmenkaumindividualisierteAlltagserfahrungen.
EinerfolgreichesNarrativbrauchtBegriffe,diehinlänglichallgemeinsind
und attraktive Bilder hervorrufen. ImFall des vernetzten, postfossilen Ver-
kehrs stehen wir am Anfang. Denkbar erscheint, dass der Begriff der »E-
Mobilität« hier genügendRaum ließe, alle Verkehrsgeräte – vomAuto über
Busse und Züge bis hin zu Pedelecs – zusammenzufassen und dieweitere
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik