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174 SybilleBauriedl
zuständig sind–undderenArbeitsbereich sichnochumSorgebeziehungen
erweiterthat (Federici 2015).
Bezogenauf die sozialeEffizienzundGerechtigkeit einer digitalisierten
undelektrifiziertenMobilitätbleibenwesentlicheFragenbisherunbeantwor-
tet: Könnenmit diesenMobilitätstransformationen die typischenWegeket-
tenderSorgearbeit leichterrealisiertwerdenoderzielendiesealleinaufWe-
gezwischenWohnungundArbeitsplatzsowieFreizeitverkehr? Inwieweiter-
haltendieklassischenLebensräumevonSorgearbeiter*innenimsuburbanen
Raum einen besseren Zugang zuMobilitätsdienstleistungen? Die aktuellen
E-Carsharing-Angeboten lassen nicht erkennen, dass sie sich an derMobi-
litätsnachfrage vonSorgearbeiter*innenorientieren,dawederdie bereitge-
stellten Free Floating Fahrzeuge noch die (Stromlade)Parkplätze im öffent-
lichen Raum fürWegeketten oder für Transporte vonHaushaltseinkäufen,
KleinkindernundgebrechlichenMenschengeeignet sind.
Die Bevorzugung des automobilen (Individual-)Verkehrs (auch in der
E-Variante) fördertdie lineareMobilität zwischenZentrumundsuburbanen
Siedlungsräumen. Die alte Debatte um die sogenannten »Schlafstädte«
für Vollerwerbstätige am Stadtrand, die zugleich die sozial wie räumlich
marginalisierten sogenannten »Hausfrauensiedlungen« für Reproduktions-
arbeiter*innen darstellen, erlebt derzeit eine Renaissance (Doderer 2016).
Das prognostizierte Jahrhundert der Städte wird eine Ausweitung des
suburbanen Raums zur Folge haben – und als Teil der fortschreitenden
Suburbanisierungdie vergeschlechtlichte Arbeitsteilung zwischenErwerbs-
arbeiter und unbezahlter Sorgearbeiterin stabilisieren. Die Free Floating
E-Mobilitätsangebote sind für die Sorgearbeiterin am Stadtrand gar nicht
nutzbar, da diese Mobilitätsdienstleistungen nur für die Innenstadtberei-
che vorgesehen sind. Nachhaltige E-Mobilitätsdienstleistungen müssten
darauf zielen,die soziale unddigitale Segregation entlang vomStadt-Land-
Verhältnis sowieentlangvonGenerations-,Geschlechter,Einkommens-und
Herkunftsverhältnissen zu minimieren (Strüver/Bauriedl 2020). Mit Blick
auf die aktuelle Digitalisierung und Antriebstransformation der urbanen
Mobilität ist »diedigitaleWelt einAbbildderanalogen (Macht)Verhältnisse«
(Enders/Groschke2019: 96).
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik