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192 JörgRadtkeundJürgenDaub
weitauseinanderfallen,wobeieineKonzentrationvonArbeitenundWohnen
indenurbanenZentrenkeinevollständigeLösungbedeutenkann,zumaldie
hohenMietspiegel in den Innenstädten hier privilegierte Bevölkerungsteile
bevorteilen.EsstelltsichumgekehrtauchdieFragenachderZukunftdersub-
urbanenZonen.DiesehabenindenvergangenenJahrenmassivanAttraktivi-
täteingebüßt,derEinzelhandel istmassivzurückgegangen,Freizeitangebote
durchBäder,BüchereienoderkulturelleEinrichtungenwurdeninTeilenein-
gestellt, esherrscht einMuster ausSchlafviertelnundgroßenAnbieternvor
(wie Lebensmitteldiscountern und Baumärkten). Die kleinstädtischen Zen-
trenhabeneinenenormenBedeutungsverlust gerade indenMetropolregio-
nenaufgrundderKonkurrenz indenOberzentrenunddurchOnline-Handel
erfahren;hinzukommtdieAbwanderungderjüngeren,bessergebildetenBe-
völkerung.DieserUmstandzementiert alswesentlicher Faktornochdie be-
stehendeMobilitätspraxis und führt zu einerDilemma-Situation:OhneÄn-
derungdieserstrukturellenGegebenheitenisteineumfassendereNeugestal-
tungderMobilität kaummöglich.EsdrohthingegendieAdaptionder elek-
tromobilenTechnologiefürdieIndividual-PKW.DeutlichwirddaherderZu-
sammenhangvonVerkehrspolitikundStrukturpolitik. ImGegensatzzuden
PolitikenderautogerechtenStadtunddemAusbauder Infrastrukturenfehlt
jedochgegenwärtig eine attraktive Logik, auf die derUmbau fußenkönnte.
DieHerausforderung,dieStrukturenvonWohnen,ArbeitenundFreizeitdes
21. Jahrhundertsumzustellen, ist immens.
Um einen zukunftsfähigen Mobilitätswandel zu gestalten, unterliegen
dieStädteder spezifischnotwendigenBeachtungbestimmterKriterien: der
EntwicklungvonEffizienz-,Konsistenz-undSuffizienzstrategien (Schwedes
2018: 14).Hierausfolgt,dasssowohlNutzungs-alsauchSysteminnovationen
ständig weiterentwickelt werden sowie die Gestaltung einer zukunftsfähi-
gen Siedlungs- und Standortpolitik angestrebt wird. Gerade die urbanen
RaumkontextemittelstädtischerOberzentren,derenEinzugsbereichweitest-
gehend ländlich strukturiert ist, bedeuten eine besondereHerausforderung
für InnovationsentwicklungenhinsichtlichderVeränderungvonMobilitäts-
systemen. Es ist allerdings hervorzuheben, dass Effizienzstrategien nicht
zum einzigen Gradmesser für Entwicklungen werden sollten. Denn sonst
besteht die Gefahr, dass regionale »Mobilitätskulturen«wiederumnur ein-
dimensionalenEntwicklungspfaden folgen.Unter diesemAspekt hat schon
Gernot Grabher darauf hingewiesen, auf notwendige Redundanzen in der
Regionalentwicklung zu achten (Grabher 1994: 61ff.). Dies kann zum einen
dieGefahr von »Verriegelungseffekten« (Lock-in) in einseitigeEntwicklungs-
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik