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Verkehrswende imsuburbanenRaum 201
aufdiverseöffentlicheFörderungenzurückgreifen.DieStadtSiegenmusste
lediglich das Grundstück stellen. Die Wasserstofftankstelle im Industrie-
undGewerbegebiet isteinevon70Tankstellen inDeutschland.DerBetreiber
H2-Mobility ist ein KonsortiummehrererUnternehmen (u.a. BMW,Daim-
ler, Toyota, Volkswagen, Linde, Shell, Total) und beabsichtigt die Zahl bis
Ende 2019 auf 100 zu erhöhen. Die besondere Idee bei demModellprojekt
bestehtdarin,diepraktischeOptionundspezifischeAnforderungenbei der
NutzungvonWasserstoffmitdemMobilitätsverhaltenderBeschäftigten im
Gewerbegebiet zu verknüpfen: Die Fahrzeuge können per Pool-Lösung im
Pendelverkehr genutzt und geteilt werden, zumal in den Arbeitszeiten die
PKWhäufig nicht verwendet werden und durch eine Sharing-Lösung dem
Problemdes»ruhenden«Fuhrparksbegegnetwerdenkann.
Das Beispiel zeigt, dass eine intelligent verknüpfte Nutzung erneu-
erbarer Energien, alternativer Antriebe und Ausnutzung der räumlichen
Kontexte sowiedesMobilitätsverhaltensprinzipiellmöglich istundesweni-
ger auf technische, als auf sozialeBarrierenhinausläuft. So ist dasKonzept
zwar übertragbar auf zahlreiche ähnliche Konstellationen in urbanen und
suburbanen Räumen, doch auch in diesem Fall ist der Konkurrenzfaktor
zumetabliertenSystemderindividualisiertenPKW-NutzungundTreibstoff-
Infrastrukturenausschlaggebend:NachwievorverbleibenzahlreicheVorteile
imetabliertenSystem,welchenauchimFalleganzheitlichdurchdachterKon-
zepte aufgrund des Charakters der »Insellösung« nicht gänzlich begegnet
werdenkann.ZwangsläufigwirddieBrennstoffzellentechnologievermutlich
inKonkurrenzmit derE-Mobilität geraten,dadieVorteile derWasserstoff-
nutzung(Reichweitevonbiszu700kmsowieschnellesBetankeninetwadrei
Minuten) durch die Fortschritte bei der E-Mobilität ausgeglichen werden
und die Möglichkeit, praktisch überall Strom beziehen zu können, einen
entscheidendenVorteil bilden.Zwar scheint es sinnvoll zu sein,mehrgleisig
auf verschiedene Technologien zu setzen, aber es ist fraglich, inwiefern
Wasserstoff tatsächlich als Substitut für Anwendungen dienen kann, bei
denenE-MobilitätkeineüberzeugendenAntwortenbietenkann.Dies ist vor
allemaufzweiFaktorenzurückzuführen:ZumeinenhatdasKartellamteine
monopolartigeStellungdesVerbundes festgestellt unddaherdieExpansion
auf 400Wasserstoffstationen begrenzt. Zum anderen stammt der gegen-
wärtig verwendeteWasserstoff zumeist aus fossilen Primärenergie-Quellen
(H2Mobility verspricht derzeit bis zu 50 % grünenWasserstoff).Dem ließe
sich zwar wie im Siegener Beispiel durch die Nutzung von Energie aus
erneuerbaren Quellen begegnen, aber eben dies wird ebenso im Fall der
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik