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Verkehrswende imsuburbanenRaum 203
wurdeinsbesondereausGründenderwirtschaftlichenEntwicklungdemAu-
tomobilderVorranggegeben.DieshattezurFolge,dassmansichdamitnot-
wendigerweise auchdie verkehrsinfrastrukturelle Pfadabhängigkeit vonder
automobilenEntwicklungeinhandelte,mitderenNegativfolgenbisheutealle
Städtezukämpfenhaben.Schienenwege,ÖPNVoderRadverkehrswegewur-
den nicht in gleichemMaße entwickelt oder gar rückentwickelt. Die heu-
te aktuellen Verkehrsproblematiken imStadtgebiet sind zumTeil auf diese
Entwicklungshintergründezurückzuführen.Hinzukommt,dassmittelstäd-
tischeOberzentren–dieRegiopolen– in eher ländlich geprägtenRegionen
starkenPendelverkehr indie Stadt verarbeitenmüssen.Die vorherrschende
Mobilität fußthier fastausschließlichaufdemPKW.
Wirft man einen Blick auf die gegenwärtige Realität der Mobilität in
Regiopol-Regionen, so erkennt man kaum Fortschritte: Einerseits wenig
genutzter ÖPNV mit schlechten Busverbindungen, teilweise marginale
Schieneninfrastruktur und kaum attraktiver Radverkehr-Infrastruktur er-
geben ein Bild, das nur sehr entfernt Hoffnungen auf eine tiefgreifende
Veränderung individueller beziehungsweise kollektiver Mobilität und von
Verkehrs(infra)strukturen zu wecken vermag. Andererseits ist erkennbar,
dass zahlreiche Entwicklungen nicht über das Potenzial einer Breitenwir-
kung verfügen – es ist sehr wahrscheinlich, dass eine sehr viel größere
Wirkung von übergreifenden Prozessen ausgehenwird,wie der Förderung
vonE-MobilitätdurchdieBundesregierungundEinführungentsprechender
Infrastrukturen,FahrzeugenundMarketingkonzeptendurchGroßkonzerne.
Ebenso sehenwir neueKonzepte für denAusbau vonRadverkehrssystemen
alswichtigenBestandteile einerzukunftsfähigenMikromobilitätan.
WelcheAnsatzpunkteundOptionenkönntenaufgrundbisherigerErfah-
rungendennochsowohlkontextualangemessenalsauchflächendeckendad-
aptierbarsein?InderDebattewirdimmerwiederbezogenaufdenländlichen
RaumdieMultimodalitäthervorgehoben.Dochkanndiesalleinderentschei-
dendeLösungsansatzsein?Wirbezweifelndiesvorallemaufgrunddernach
wievorandauerndenextremenPfadabhängigkeitenbestehender Infrastruk-
turen,die inäußersthohemMaßeaufdenIndividualverkehr–undindiesen
Regionen speziell den Pendlerverkehr ausgerichtet sind.Das einfache Cre-
do, wonach in der Stadt bei kurzer Strecke das Fahrrad selbstverständlich
dasMittel derWahl ist, schlägt hier umgekehrt zu:Dermeist größerenDi-
stanz zumArbeitsplatz auf der einen Seite undder Flexibilität des eigenen
PKWauf der anderen Seite kann letztlich nur schwerlich durch alternative
Mobilitätsformenbegegnetwerden.Dies ist abernurdie eineSeitederMe-
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik