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212 StefanieBaasch
hierdurch weitere Einsparpotenziale ergeben würden. Dies bedeutet, dass
eine Wende vom motorisierten Individualverkehr (MIV) beziehungsweise
individuellemAutomobilbesitz hin zu gemeinschaftlichenNutzungsformen
von Fahrzeugen nicht angestrebt wird. Ebenso wenig berücksichtigt wird
im Kontext von E-Mobilität ein erheblicher Ausbau und Flexibilisierung
des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zur Reduzierung von Auto-
fahrten und der Anzahl von Automobilen.Dabei ist aus ökologischer Sicht
eine bloße Umstellung des Individualverkehrs auf elektrisch betriebene
PKWgrundsätzlichnicht sinnvoll, insbesondere imHinblick auf denhohen
Ressourcenbedarf bei der Herstellung von E-Autos (siehe den Beitrag von
Prause/Dietz indiesemBand),denFlächenverbrauchunddiehohenKosten
zumErhaltbeziehungsweiseAusbauvonautofreundlicher Infrastruktur.
Die Bedingungen für einen Ausbau der E-Mobilität in ländlichen Räu-
men sind widersprüchlich: einerseits bieten sich in der Regel gute private
Lademöglichkeiten durch die hohe Anzahl an Eigenheimen, andererseits
stellen größereDistanzenundmangelndeMobilitätsalternativen oft höhere
AnsprücheandieVerfügbarkeitundLeistungvonFahrzeugen.DieserBeitrag
stellt kommunale Beispiele einer Mobilitätswende in Nordhessen vor, bei
der E-Mobilität und Carsharing-Angebote miteinander verknüpft werden.
E-Mobilität dient hierbei als ein Baustein zur Verknüpfung von nachhal-
tigen Mobilitäts- mit dezentralen Energiewendestrategien. Ein wichtiger
Bestandteil ist hierbei die konsequente Ausrichtung der Ladeinfrastruktur
auf erneuerbare Energien. Darüber hinaus sollen E-Autos zukünftig auch
als mobile Speicher für die vor Ort erzeugten, fluktuierenden erneuerba-
ren Energien fungieren (Baasch 2016). Sowohl dieMobilitäts-wie auch die
Energiewendestrategien werden auf kommunaler und regionaler Ebene
von einem breiten Akteursspektrum vorangetrieben, welches kommunale,
privatwirtschaftlicheund zivilgesellschaftlicheAkteure umfasst unddas die
ZielsetzungeinernachhaltigenRegionalentwicklungverfolgt.Dievorgestell-
tenAnsätzezielendabeiaufeinezukünftigeReduzierungvon individuellem
Automobilbesitz durch Carsharing oder zumindest auf die Reduzierung
der Größe von Automobilen in der individuellen Privatnutzung durch den
Zugang zu unterschiedlichen Fahrzeuggrößen für spezielle Fahrzweckewie
zumBeispiel einemerhöhtenTransportbedarf.
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik