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E-Mobilität alsBausteineiner ländlichenMobilitätswende 215
sowohl für denNationalenEntwicklungsplanE-Mobilität (Bundesregierung
2009) als auch für öffentlich geförderteModellregionenund–vorhabenwie
das»SchaufensterE-Mobilität« (Weber2016:89).
Verkehrsmittelnutzung in ländlichenRäumen
Zwischen städtischen und ländlichen Räumen bestehen erhebliche Unter-
schiede inderVerkehrsmittelwahlunddemMotorisierungsgrad.Sowerden
außerhalb von Kernstädten ca. 70 % der Fahrten imBerufsverkehr und ca.
60 % aller Einkaufsfahrten per MIV absolviert (BBSR 2017: 108). In den
Kernstädten liegt der Anteil des MIV im Berufsverkehr bei ca. 50 % und
bei Einkaufsfahrten bei 35 %. Ähnlich stark sind die Unterschiede beim
Motorisierungsgrad, der in kreisfreien Großstädten bei ca. 450 PKW je
1.000Einwohner*innenund in ländlichenKreisen imDurchschnitt bei fast
600PKWje 1.000Einwohner*innen liegt (BBSR2017: 107).Der hoheAnteil
der PKW-Nutzung in ländlichen Räumen ist insbesondere auf die disperse
Siedlungsstruktur, das Fehlen von Mobilitätsalternativen (vor allem durch
eine unzureichende Verfügbarkeit vonÖPNV), eine geringeDichte an Ein-
zelhandelsgeschäften sowie auf oft schwer zu erreichende gesundheitliche
undsozialeVersorgungsstrukturenzurückzuführen.
DieschlechteVersorgung ländlicherRäumemitöffentlicherMobilität ist
einweitgehendungelöstesProblem,wassichdurchdenprognostiziertenBe-
völkerungsrückgang invielen ländlichenRegionenvoraussichtlichnochwei-
ter verschärfenwird.Hinzu kommt, dass derÖPNV in ländlichenRäumen
in der Regel vor demDilemma steht, eineMobilitätsversorgung bereitzu-
stellen, obwohl die Fahrgastzahlen oft äußerst gering sind. Häufig ist der
ÖPNV in ländlichenRegionen vor allem auf den Schulverkehr abgestimmt,
währendsonstigeLinienverkehremeistaufgrundhoherKosten,Zersiedelung
undgeringerNachfragenureinkleinesAngebotaufweisen.SeiteinigenJah-
rengibteseineReihevonVersuchenundAnsätzen,durchFlexibilisierungder
AngebotedasSpannungsfeldzwischenDaseinsvorsorgeundKosteneffizienz
abzumildern, zumBeispiel durch ein nachfrageorientiertes ÖPNV-Angebot
mitAnruf-Sammel-TaxenoderRufbussen.NeuereModellversucheumfassen
auchMitnahme-undSharing-Angebote,beidenenBürger*innennichtmehr
nuralsNutzer*innen,sondernauchalsAnbieter*innenvonMobilitätsdienst-
leistungeneingebundensind (BBSR2017: 110).Eine flächendeckendeVerän-
derung der Verkehrsmittelnutzung in ländlichenRegionen ist zurzeit aller-
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik