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270 MerleGronewegundMichael Reckordt
Bezug auf Arbeits- und Umweltstandards. Probleme wie Landvertreibung
oder Kriminalisierung von Protestierenden, die häufig im Zusammen-
hangmit Rohstoffabbau auftreten, spielen dabei bislang keineRolle.Hinzu
kommt,dassgeradedieLieferkettenverantwortungderZulieferernichtaus-
reichendüberprüftwird.Die stichprobenhaftenvor-Ort-Überprüfungender
Zulieferer betreffen vorwiegendUmwelt-undSozialstandards im jeweiligen
Betrieb. Eine Konsultation von Arbeitnehmer*innen oder Anwohner*innen
entlang der gesamten Lieferkette beziehungsweise beim Rohstoffabbau
findet kaum statt. Trotz der standardisierten Nachhaltigkeitssysteme er-
fahren die Automobilkonzerne daher oft erst sehr spät von gravierenden
Menschenrechtsrisiken imRohstoffabbau (Bahaduretal.2018).
Das Problembewusstsein bei den Automobilkonzernen ist noch einmal
angestiegen, als Amnesty International imFrühjahr 2016 in eine Studie die
deutsche Automobilindustriemit Kinderarbeit in derDRKongo in Verbin-
dungbrachte(AmnestyInternational2016).DamitstiegdasProblembewusst-
seinunddieUnternehmenkündigtenzumindestMaßnahmenan.Dennoch
gibt es bislang kaumwirksame individuelle oder gemeinsame Gegenmaß-
nahmen der Automobilkonzerne, umMenschenrechtsverletzungen zu ver-
hindern.Nur indenseltenstenFällenwerdenBetroffenevorOrtdirektkon-
sultiert undkonkreteAbhilfemaßnahmeneingeleitet.Anstatt sich selbst ein
Bildzumachen,setzendieKonzernehäufigaufZertifizierungssysteme.
Auf Grund des öffentlichenDrucks geht die deutsche Automobilindus-
trie verstärkt dazuüber,wieder direkte LieferverträgemitMinen zuunter-
zeichnen.EinBeispiel,dasdeutlichdarüberhinausgehenkönnte, istdieZu-
sammenarbeitvonBMWmitBASF,SamsungundderGIZ,die imDezember
2018angekündigtwurde.DasKonsortiummöchteKobaltausartisanalenMi-
nen inderDRKongobeziehenundgleichzeitig die Arbeits- undLebensbe-
dingungenderKleinschürfer*innenverbessern.ArtisanalerBergbaubezeich-
netdenhandwerklichenBergbaumitgeringemKapital-undMaschinenein-
satz, der häufig inKonkurrenz zu transnationalenBergbaukonzernen steht
(BMWGroup 2018). Das Ziel der Autokonzerne ist klar: Sie gewinnen Ein-
flussmöglichkeiten über die Bedingungen des Rohstoffabbaus. Gleichzeitig
sichernsieauchihreVersorgungmitRohstoffen.Darüberhinauswarendeut-
scheAutomobilhersteller indenletztenMonatenmaßgeblichanderEinrich-
tungverschiedenster Initiativenbeteiligt.Soentstanddiealuminiumsteward-
shipinitiative (Audi,BMW,Daimler),ResponsibleSteel (BMW,Daimler),Respon-
sibleCopper Initiative,ResponsibleCobalt Initiative (BMW,Daimler),Responsible
MineralsInitiative (BMW,Daimler,VW)sowiedrivesustainability (BMW,Daim-
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik